 der er fast mit gleicher Heftigkeit wünschte und
fürchtete, dass es Danae sein möchte. Allein da Agaton und Danae so gut
historische Personen sind als Brutus, Portia, und hundert andre, welche darum
nicht weniger existiert haben, weil sie nicht gerade so dachten, und handelten
wie gewöhnliche Leute: So bekümmern wir uns wenig, wie dieser Agaton und diese
Danae, vermöge der moralischen Begriffe des einen oder andern, der über dieses
Buch gut oder übel urteilen wird, hätten handeln sollen, oder gehandelt haben
würden, wenn sie nicht gewesen wären, was sie waren. Das Recht zu urteilen kann
und soll niemandem streitig gemacht werden; unsre Pflicht ist zu erzählen, nicht
zu dichten; und wir können nichts dafür, wenn Agaton bei dieser Gelegenheit
sich nicht weise und heldenmässig genug, um die Hochachtung strenger
Sittenrichter zu verdienen, verhalten; oder wenn Danae die Rechte des weiblichen
Stolzes nicht so gut behaupten sollte, als viele andre, welche dem Himmel
danken, dass sie keine Danaen sind, an ihrem Platze getan haben würden.
    Die schöne Danae erwartete, auf ihrem Sopha sitzend, den Besuch, den sie
bekommen sollte, mit so vieler Stärke als eine weibliche Seele nur immer zu
haben fähig sein mag, welche zugleich so zärtlich und lebhaft ist, als eine
solche Seele sein kann - Ob es wohl weibliche Seelen gibt? - O mein Herr, ich
sagte ihnen ja, dass der letzte Teil dieses Kapitels nicht für sie geschrieben
sei - Sie mögen vielleicht überall in Zweifel ziehen, ob die Weiber Seelen
haben; denn wenn sie Seelen haben, so sind es weibliche Seelen, der Himmel
bewahre uns vor den Pentesileen und Männinnen, an denen nichts als die Figur
weiblich ist! - Doch darüber wollen wir izt nicht streiten. Danae erwartete also
den Anblick ihres Flüchtlings mit ziemlicher Standhaftigkeit; aber was in ihrem
Herzen vorging, mögen unsre zärtlichen Leserinnen, welche fähig sind, sich an
ihre Stelle zu setzen, in ihrem eigenen Herzen lesen. Sie wusste, dass Agaton
einen Gefährten hatte, und dieser Umstand kam ihr zu statten; aber Agaton
befand sich wenig dadurch erleichtert. Die Türe des Vorzimmers wurde ihnen von
der Sklavin eröffnet - er erkannte beim ersten Anblick die Vertraute seiner
Geliebten, und nun konnte er nicht mehr zweifeln, dass die Dame, die er in
einigen Augenblicken sehen würde, Danae sei. Er raffte seinen ganzen Mut
zusammen, indem er zitternd hinter seinem Freunde Critolaus fortwankte - Er sah
sie, wollte auf sie zugehen, konnte nicht, heftete seine Augen auf sie, und
sank, vom Übermaß seiner Empfindlichkeit überwältiget, in die Arme seines
Freundes zurück. Auf einmal vergaß die schöne Danae alle die großen
Entschließungen von Gelassenheit und Zurückhaltung, welche sie
