. Indessen hielt er sich, nachdem er schon zu zweien
malen eine nicht unansehnliche Rolle auf dem Schauplatz des öffentlichen Lebens
gespielt, und sie für einen jungen Mann gut genug gespielt hatte, berechtiget,
so lange er keinen besonderen Beruf erhalten würde, seiner Nation zu dienen, oder
so lange sie seiner Dienste nicht schlechterdings vonnöten hätte, sich in den
Zirkel des Privat-Lebens zurückzuziehen; und hierin stimmten die Grundsätze des
weisen Archytas völlig mit seiner Art zu denken überein. Ein Mann von mehr als
gewöhnlicher Fähigkeit, sagte Archytas, hat zu tun genug, an seiner eigenen
Besserung und Vervollkommnung zu arbeiten; er ist am geschicktesten zu dieser
Beschäftigung, nachdem er durch eine Reihe beträchtlicher Erfahrungen sich
selbst und die Welt kennen zu lernen angefangen hat; und indem er solchergestalt
an sich selbst arbeitet, arbeitet er wirklich für die Welt, indem er dadurch um
soviel geschickter wird, seinen Freunden, seinem Vaterland, und den Menschen
überhaupt, nützlich zu sein, und es sei nun mit vielem oder wenigem Gepränge, in
einem größeren oder kleineren Zirkel, auf eine öffentliche oder nicht so merkliche
Art, zum allgemeinen Besten des Systems mitzuwürken.
    Dieser Maxime zufolge beschäftigte sich Agaton, nachdem er zu Tarent
einheimisch zu sein angefangen hatte, hauptsächlich mit den mathematischen
Wissenschaften, mit Erforschung der Kräfte und Eigenschaften der natürlichen
Dinge, mit der Astronomie, kurz mit demjenigen Teil der speculativen
Philosophie, welche uns, mit Hilfe unsrer Sinnen und behutsamer
Vernunft-Schlüsse zu einer zwar mangelhaften, aber doch zuverlässigen Erkenntnis
der Natur und ihrer majestätisch-einfältigen, weisen und wohltätigen Gesetze
führt. Er verband mit diesen erhabenen Studien, worin ihm die Anleitung des
Archytas vorzüglich zu statten kam, das Lesen der besten Schriftsteller von
allen Klassen, insonderheit der Geschichtschreiber, und das Studium des
Altertums, welches er, so wie die Verbal-Critik, für eine der edelsten und
nützlichsten, oder für eine der nichtswürdigsten Speculationen hielt, je nachdem
es auf eine philosophische oder bloß mechanische Art getrieben werde. Nicht
selten setzte er diese anstrengenden Beschäftigungen bei Seite, um, wie er
sagte, mit den Musen zu scherzen; und der natürliche Schwung seines Genie machte
ihm diese Art von Gemüts-Ergötzung so angenehm, dass er Mühe hatte sich wieder
von ihr loszureißen. Auch die Malerei und die Musik, die Schwestern der
Dichtkunst, deren höhere Theorie sich in den geheimnisvollesten Tiefen der
Philosophie verliert, hatten einen Anteil an seinen Stunden, und halfen ihm, das
allzueinförmige in den Beschäftigungen seines Geistes, und die schädlichen
Folgen, die aus der Einschränkung desselben auf eine einzige Art von
Gegenständen entspringen, zu vermeiden.
    Die häufigen Unterredungen, welche er mit dem weisen Archytas hatte, trugen
viel und vielleicht das Meiste bei, seinen
