 war,
unvermerkt vergessen, dass er im Grunde doch immer weder mehr noch weniger sei,
als ein Mensch. Die Erfahrungen, die er endlich hierüber bekam, öffneten ihm die
Augen, und zerstreuten einen Teil der Bezauberung; er lernte sich selbst besser
kennen; aber er kannte die Welt noch nicht genug. Ein neues und großes Theater,
auf welches er versetzt wurde, half diesem Mangel ab; eine immer weiter
ausgebreitete und vervielfältigte Erfahrung stimmte seine allzuidealische
Denk-Art herab, und überführte ihn, dass er, wie der großmütige, tugendhafte und
tapfre Ritter von Mancha (dieses lehrreiche Bild der Schwachheiten und
Verirrungen des menschlichen Geistes !) Windmühlen für Riesen, Wirtshäuser für
bezauberte Schlösser, und Dorf-Nymphen für göttliche Dulcineen angesehen hatte.
Er wurde weiser, aber auf Unkosten seiner Tugend. So wie die Bezauberung seiner
Einbildungs-Kraft verging, hörte auch die Begierde auf, große Taten zu tun,
allem Unrecht in der Welt zu steuern, mit den Feinden der allgemeinen
Glückseligkeit sich herumzuschlagen, und die Menschen, wider ihren Dank und
Willen, glücklich machen zu wollen. Nun sage man mir, nachdem es mit unserm
Helden dazu gekommen war, (und, alles wohl erwogen, musste es auf eine oder
andere Art endlich dazu kommen; denn die edelste, die liebenswürdigste
Schwärmerei, wenn sie gar zu lange dauert, und sich so gar durch die
Maul-Esel-Treiber von Jangois nicht austreiben lassen will, wird endlich zu
Narrheit,) was sollte, was konnte unser Autor nun weiter mit ihm anfangen? Einen
misantropischen Einsiedler aus ihm machen? - - Dazu war sein Kopf zu heiter und
sein Herz zu schwach - - oder zu zärtlich - - oder zu gut; was ihr wollt; und
zudem mochte unser Autor, der ein Grieche war, und wenigstens in die Zeiten des
Alciphrons gesetzt werden muss, (wie die Gelehrten ohne unser Erinnern bemerkt
haben) vermutlich von der Vortrefflichkeit einer einsiedlerischen Tugend die
erhabenen Begriffe nicht haben, welche man sich in den wundervollen Zeiten des
dreizehnten und vierzehnten Jahrhunderts bis zu unsern philosophischen Zeiten
davon gemacht hat, und (allem Ansehen nach) in einigen Ländern noch lange machen
wird. Ihn wieder in die weite Welt zurückzuführen, wäre nichts anders gewesen,
als ihn der augenscheinlichsten Gefahr aussetzen, in seiner antiplatonischen
Denk-Art durch immer neue Erfahrungen bestärkt, und durch die Gesellschaft
witziger und liebenswürdiger Leute, welche entweder gar keine Grundsätze, oder
nicht viel bessere als der weise Hippias, gehabt hätten, nach und nach auch um
diesen kostbaren Überrest seiner ehemaligen Tugend gebracht zu werden, den er
glücklicher Weise aus der verpesteten Luft der großen Welt noch davon gebracht
hat. Vielleicht hätte er in solchen Umständen noch immer eine
