 seinen Helden, nachdem er eine hinlängliche Anzahl
guter und schlimmer Abenteuer bestanden hat, endlich für seine ganze übrige
Lebens-Zeit glücklich zu machen. Es mag sein, dass der Verfasser der griechischen
Handschrift hierin seinem guten Naturell den Lauf gelassen hat; denn in der Tat,
scheint es ein Zeichen eines harten und grausamen Herzens zu sein, welches ein
Vergnügen an der Qual und den Tränen seiner unschuldigen Leser findet, wenn man
alles anwendet, uns für den Helden und die Heldin einer wundervollen Geschichte
einzunehmen, bloß um uns zuletzt durch einen so jämmerlichen Ausgang, als eine
schwermütige, menschenfeindliche Imagination nur immer erdenken kann, in einen
desto empfindlichern und unleidlichern Schmerz zu versenken, da es lediglich bei
dem guten Willen des Autors stund, uns desselben zu überheben. Gleichwohl aber
scheint uns unser edler gesinnte Verfasser noch eine andre Absicht dabei gehabt
zu haben, welche er, ohne sich einer noch größeren Unwahrscheinlichkeit schuldig
zu machen, nicht wohl anders als durch diese nicht allzuwahrscheinliche
Verbindung glücklicher Umstände, worein er seinen Helden in diesem Buche setzt,
erreichen konnte - - Und was für eine Absicht mag das wohl sein? - - Ich will es
ihnen unverblümt und ohne Umschweife sagen, meine Herren und Damen, ob ich
gleich besorgen muss, dass die ungewöhnliche Offenherzigkeit, welche ich ihnen in
dem ganzen Laufe dieses Werkes habe sehen lassen, mir von einem oder dem andern
aus ihrem Mittel übel aufgenommen werden möchte - - Unser Verfasser wollte dem
Vorwurf ausweichen, welchen Horaz gleichnisweise in dem bekannten Verse - -
Amphora coepit
Institui - - currente rota cur urceus exit? - -
denjenigen Dichtern macht, in deren Werken das Ende sich nicht zu dem Anfang
schickt. Er wollte in seinem Helden, dessen Jugend und erste Auftritte in der
Welt so große Hoffnungen erweckt hatten, nachdem er ihn durch so viele
verschiedene Umstände geführt, als er für nötig hielt seine Tugend zu prüfen, zu
läutern und zu der gehörigen Konsistenz zu bringen, am Ende einen so weisen und
tugendhaften Mann darstellen, als man nur immer unter der Sonne zu sehen
wünschen, oder nach Gestalt der Sachen, erwarten könnte. Der Enthusiasmus, der
die eigentliche Anlage seines Helden zu einem mehr als gewöhnlichen Grade
moralischer Vollkommenheit enthielt, verhinderte ihn zu eben der Zeit da er
seine Tugend erhöhte, so weise zu sein, als man sein muss, um nicht mit den
erhabensten Begriffen, und den edelsten Gesinnungen, von sich selbst und von
andern betrogen zu werden. Eine Art zu denken, welche ihn zu einer höheren Klasse
von Wesen als die gewöhnlichen Menschen sind, zu erheben schien, setzte ihn dem
Neid, der verkehrten Beurteilung, den Nachstellungen und Verfolgungen dieser
Menschen aus; und machte ihn, welches für seine Tugend das Schlimmste
