 sich von der Glückseligkeit Siciliens
unter seiner Verwaltung gemacht hatte, erhielten durch den Unmut, sie vor seinen
Augen vernichten zu sehen, eine desto größere Gewalt über seine
Einbildungs-Kraft. Es war ihm unerträglich, Leute, welche nur darum seine Feinde
waren, weil sie Feinde alles Guten, Feinde der Tugend und der öffentlichen
Wohlfahrt waren, einen solchen Sieg davontragen zu lassen. Er hielt es für eine
allgemeine Pflicht, sich den Unternehmungen der Bösen zu widersetzen, und die
Stelle, welche er beinahe zwei Jahre lang in Sizilien behauptet hatte, machte
(wie er glaubte) seinen Beruf zur besonderen Ausübung dieser Pflicht in
gegenwärtigem Falle unzweifelhaft. Diese Betrachtungen hatten, außer ihrer
eigentümlichen Stärke, noch sein Herz und seine Einbildungs- Kraft auf ihrer
Seite; und mussten also notwendig alles überwägen, was die Klugheit dagegen
einwenden konnte.
    Sobald Agaton seinen Entschluss genommen hatte, so arbeitete er an der
Ausführung desselben. Dion, welcher sich damals zu Athen befand, hatte einen
beträchtlichen Anhang in Sizilien, durch welchen er bisher alle mögliche
Bewegungen gemacht hatte, seine Zurückberufung von dem Prinzen zu erhalten. Er
hatte sich deshalben vorzüglich an den Agaton gewandt, so bald ihm berichtet
worden war, in welchem Ansehen er bei Dionysen stehe. Aber Agaton dachte damals
nicht so gut vor dem Charakter Dions als die Academie zu Athen. Eine Tugend,
welche mit Stolz, Unbiegsamkeit und Austerität vermischt war, schien ihm, wo
nicht verdächtig, doch wenig liebenswürdig; er besorgte mit einiger
Wahrscheinlichkeit, dass die Gemüts- Art dieses Prinzen ihn niemals ruhig lassen,
und dass er, ungeachtet seiner republicanischen Grundsätze, eben so ungelehrig
sein würde, das höchste Ansehen im Staat mit jemand zu teilen, als ohne Ansehen
zu leben. Er hatte also, anstatt seine Zurückberufung bei dem Dionys zu
befördern, diesen der äußersten Abneigung, die er davor zeigte, überlassen, und
sich durch diese Aufführung einiges Missvergnügen von Seiten der Freunde Dions
zugezogen, welche es ihm eben so übel nahmen, dass er nichts für diesen Prinzen
tat, als ob er gegen ihn agiert hätte. Allein seitdem seine eigene Erfahrung das
schlimmste, was Dionysens Feinde von ihm denken konnten, rechtfertigte, hatte
sich auch seine Gesinnung gegen den Dion gänzlich umgewandt. Dieser Prinz,
welcher unstreitig große Eigenschaften besaß, stellte sich ihm izt unter dem
Bilde eines rechtschaffenen Mannes dar, in welchem der langwierige Anblick des
gemeine Elendes unter einer heillosen Regierung, und die immer vergebliche
Bemühung, dem reißenden Strom der Verderbnis entgegen zu arbeiten, einen
anhaltenden gerechten Unmut erregt hat, der ungeachtet des Scheins einer
gallsüchtigen Melancholie, im Grunde die Frucht der edelsten Menschenliebe ist.
Er beschloss also, mit ihm gemeine Sache zu machen. Er entdeckte sich den
Freunden Dions
