 das alte Vertrauen zu
setzen; und beide vereinigten sich nunmehr mit der triumphierenden Kleonissa,
den Fall unsers Helden desto eifriger zu beschleunigen, je mehr sie ihn mit
Versicherungen ihrer Freundschaft überhäuften. Wir haben in diesem und dem
vorigen Kapitel ein so merkwürdiges Beispiel gesehen, (und wollte Gott! diese
Beispiele kämen uns nicht so oft im Leben selbst vor) wie leicht es ist, einem
lasterhaften Charakter, einer schwarzen, hassenswürdigen Seele, den Anstrich der
Tugend zu gehen. Agaton erfuhr nunmehr, dass es eben so leicht ist, die reineste
Tugend mit verhassten Farben zu übersudeln. Er hatte dieses zu Athen schon
erfahren; aber bei der Vergleichung die er zwischen jenem Fall und seinem izigen
anstellte, schienen ihm seine Ateniensische Feinde, im Gegensatz mit den
verächtlichen Kreaturen, denen er sich nun auf ein mal aufgeopfert sah, so weiß
zu werden, als sie ihm ehmals, da er noch keine schlimmere Leute kannte, schwarz
vorgekommen waren. Vermutlich verfälschte die Lebhaftigkeit des gegenwärtigen
Gefühls sein Urteil über diesen Punkt ein wenig; denn in der Tat scheint der
ganze Unterschied zwischen der republicanischen und höfischen Falschheit darin
zu bestehen, dass man in Republiken genötigt ist, die ganze äußerliche Form
tugendhafter Sitten anzunehmen; da man hingegen an Höfen genug getan hat, wenn
man den Lastern, welche des Fürsten Beispiel adelt, oder wodurch seine Absichten
befördert werden, tugendhafte Namen gibt. Allein im Grunde ist es nicht
ekelhafter, einen hüpfenden, schmeichelnden, untertänigen, vergoldeten Schurken
zu eben der Zeit, da er sich vollkommen wohl bewusst ist, nie keine Ehre gehabt
zu haben, oder in diesem Augenblick im Begriff ist, wofern er eine hätte, sie zu
verlieren - - von den Pflichten gegen seine Ehre reden zu hören; als einen
gesetzten, schwerfälligen, gravitätischen Schurken zu sehen, der unter dem
Schutz seiner Nüchternheit, Eingezogenheit und pünctlichen Beobachtung aller
äußerlichen Formalitäten der Religion und der Gesetze, ein unversöhnlicher Feind
aller derjenigen ist, welche anders denken als er, oder nicht zu allen seinen
Absichten helfen wollen, und sich nicht das mindeste Bedenken macht, so bald es
seine Konvenienz erfordert, eine gute Sache zu unterdrücken, oder eine böse mit
seinem ganzen Ansehen zu unterstützen. Unparteiisch betrachtet, ist dieser noch
der schlimmere Mann; denn er ist ein eigentlicher Heuchler: Da jener nur ein
Komödiant ist, der nicht verlangt, dass man ihn wirklich für das halten solle,
wofür er sich ausgibt; vollkommen zufrieden, wenn die Mitspielenden und
Zuschauer nur dergleichen tun, ohne dass es ihm einfällt sich zu bekümmern, ob es
ihr Ernst sei, oder nicht.
    Agaton hatte nunmehr gute Musse, dergleichen Betrachtungen anzustellen; denn
sein Ansehen und Einfluss nahm zusehends ab. Äusserlich zwar schien alles noch zu
