 seine Ehre
und die Tugend seiner Gemahlin schwebe. Freilich entdeckte er dem edelen
Philistus nichts, als was dieser in der Tat schon lange wusste; aber Philistus
machte nichts desto weniger den Erstaunten; indessen dankte er ihm mit der
lebhaftesten Empfindung für ein so unzweifelhaftes Merkmal seiner Freundschaft,
und versicherte, dass er auf ein schickliches Mittel bedacht sein wollte, seine
Gemahlin, von welcher er übrigens die beste Meinung von der Welt habe, gegen
alle Nachstellungen der Liebesgötter sicher zu stellen.
    Man hat wohl sehr recht, uns die Lehre bei allen Gelegenheiten
einzuschärfen, dass man sich die Leute nach ihrer Weise verbindlich machen müsse,
und nicht nach der unsrigen. Agaton glaubte sich kein geringes Verdienst um den
Philistus gemacht zu haben, und würde nicht wenig über die Apostrophen erstaunt
gewesen sein, welche dieser würdige Minister an ihn machte, so bald er sich
wieder allein sah. In der Tat musste es diesen notwendig ungehalten machen, sich
durch eine so unzeitige Vorsorge für seine Ehre auf einmal aller Vorteile seiner
bisherigen discreten Unachtsamkeit verlustiget zu sehen. Indessen konnte er nun,
ohne sich in Agatons Augen zum Verräter seiner eigenen Ehre zu machen, nicht
anders; er musste den Eifersüchtigen spielen. Die Komödie bekam dadurch auf
etliche Tage einen sehr tragischen Schwung - - Wie viel Mühe hätten sich die
Haupt-Personen dieser Farce ersparen können, wenn sie die Maske hätten abnehmen,
und sich einander in puris naturalibus zeigen wollen? Aber diese Leute aus der
großen Welt sind so pünctliche Beobachter des Wohlstands! - - und sind darum zu
beloben; denn es beweiset doch immer, dass sie sich ihrer wahren Gestalt schämen,
und die Verbindlichkeit etwas bessers zu sein als sie sind, stillschweigend
anerkennen - Kleonissa rechtfertigte sich also gegen ihren Gemahl, indem sie
sich auf die Princessinnen, als unverwerfliche Zeugen der untadelhaften Unschuld
ihres Betragens berief Niemals ist ein erhabneres und patetischeres Stück von
Beredsamkeit gehört worden, als die Rede war, wodurch sie ihm die Unbilligkeit
seines Verdachts vorhielt; und der gute Mann wusste sich endlich nicht anders zu
helfen, als dass er den Freund nannte, von dem er, wiewohl aus guter Absicht, in
diesen kleinen Anstoß einer, wie er nun vollkommen erkannte, höchst unnötigen
und sträflichen Eifersucht gesetzt worden sei. Die Wut einer stürmischen See - -
einer zur Rache gereizten Hornisse - - oder einer Löwin, der ihre Jungen geraubt
worden, sind nur schwache Bilder in Vergleichung mit der Wut, in welcher
Kleonissens tugendhafter Busen bei Nennung des Namens Agaton aufloderte.
Würklich war nichts mit ihr zu vergleichen, als die Wollust, womit der Gedanke
sie berauschte, dass sie es nun endlich in ihrer Gewalt habe, die lange
gewünschte Rache an diesem undankbaren Verächter ihrer Reizungen zu nehmen. Sie
misshandelte
