 sich des Sieges zu früh
versichert hielt, izo den gelegenen Augenblick gefunden zu haben glaubte, dem
Dionys offenherzig zu gestehen, wie wenig Achtung er für die angebliche Tugend
der Dame Kleonissa trage. Die Folgen der geheimen Unterredung, welche sie mit
einander über diese Materie hatten, entsprachen der Erwartung unsers Helden
nicht. Alles Nachteilige, was Agaton dem Prinzen von seiner neuen Göttin sagen
konnte, bewies höchstens, dass sie nicht so viel Hochachtung verdiene als er
geglaubt hatte; aber es verminderte seine Begierden nicht; desto besser für
seine Absichten, wenn sie nicht so tugendhaft war. Diesen edlen Gedanken ließ er
zwar den Agaton nicht sehen; aber Kleonissa wurde ihn desto deutlicher gewahr.
Dionys hatte nicht so bald erfahren, dass die Tugend der Dame nur ein Popanz sei,
so eilte er was er konnte, Gebrauch von dieser Entdeckung zu machen, und setzte
sie durch ein Betragen in Erstaunen, welches mit seinem vorigen, und noch mehr
mit der Majestät ihres Characters, einen höchst beleidigenden Kontrast machte.
Er war zwar Discret genug, ihr nicht geradezu zu sagen, was für Begriffe man ihm
von ihr beigebracht habe; aber sein Bezeugen sagte es so deutlich, dass sie nicht
zweifeln konnte, es müsste ihr jemand schlimme Dienste bei ihm geleistet haben.
Dieser Umstand setzte sie in der Tat in keine geringe Verlegenheit, wie sie
dasjenige was sie ihrer beleidigten Würde schuldig war, mit der Besorgnis, einen
Liebhaber von solcher Wichtigkeit durch allzuweit getriebene Strenge gänzlich
abzuschrecken, zusammenstimmen wollte. Allein ein Geist wie der ihrige weiß sich
aus den schwierigsten Situationen herauszuwickeln; und Dionys ging überzeugter
als jemals von ihr, dass sie die Tugend selbst, und allein durch die Stärke der
Sympatie, wodurch ihre zum ersten mal gerührte Seele gegen die seinige gezogen
werde, fähig werden könnte, die Hoffnungen dereinst zu erfüllen, welche sie ihm
weder erlaubte noch gänzlich verwehrte. Von dieser Zeit an nahm seine
Leidenschaft und das Ansehen dieser Dame von Tag zu Tag zu; die schöne
Bacchidion wurde förmlich abgedankt; und Agaton würde in den Augen seines
Herren gelesen haben, wenn er es nicht aus seinem eignen Munde vernommen hätte,
dass er gute Hoffnung habe, in wenigen Tagen den letzten Seufzer der sterbenden
Tugend von den Lippen der zärtlichen, und nur noch schwach widerstehenden
Kleonissa aufzufassen. Izo glaubte er, dass es die höchste Zeit sei einen Schritt
zu tun, der nur durch die äußerste Notwendigkeit gerechtfertiget werden konnte,
aber seiner Meinung nach, das unfehlbarste Mittel war, dieser gefährlichen
Intrigue noch in Zeiten ein Ende zu machen. Er ließ also den Philistus zu sich
ruhen, und entdeckte ihm mit der ganzen Vertraulichkeit eines ehrlichen Mannes,
der mit einem ehrlichen Manne zu reden glaubt, die nahe Gefahr, worin
