 in einem Anstoß von überfliessender Zuneigung zu ihm, sich ohne Bedingung zu
Untertanen eines Prinzen ergeben haben, von dessen Minister sie so sehr
bezaubert waren.
    Die Veränderung, welche hiedurch in den öffentlichen Angelegenheiten gemacht
wurde, brachte den Krieg so schnell zu Ende, dass Timocrates keine Gelegenheit
bekam, durch ein entscheidendes Treffen (es möchte allenfalls gewonnen oder
verloren sein) Ehre einzulegen. Man kann sich vorstellen, ob Agaton sich
dadurch die Freundschaft dieses Mannes, den sein großes Vermögen und die
Verschwägerung mit dem Prinzen zu einer wichtigen Person machte, erworben; und
mit welchen Augen Timocrates den allgemeinen Beifall, die frohlockenden
Segnungen der Nation, welche unsern Helden nach Syracus zurückbegleiteten, die
Merkmale der Hochachtung, womit er von dem Prinzen empfangen wurde, und das
außerordentliche Ansehen, worin er sich durch diese friedsame Eroberung
befestigte, angeschielt haben werde. Genötigt, seinen Unwillen und Hass gegen
einen so siegreichen Nebenbuhler in sich selbst zu verschließen, laurte er nur
desto ungeduldiger auf Gelegenheiten, in geheim an seinem Untergang zu arbeiten;
und wie hätte es ihm an einem Hofe, und an dem Hofe eines solchen Fürsten, an
Gelegenheiten fehlen können?
 
                                Zweites Kapitel
                Beispiele, dass nicht alles, was gleisst, Gold ist
Wenn Agaton während einer Staats-Verwaltung, welche nicht ganz zwei Jahre
daurte, das vollkommenste Vertrauen seines Prinzen und die allgemeine Liebe der
Nation, welche er regierte, gewann, und sich dadurch auf diese hohe Stufe des
Ansehens und der scheinbaren Glückseligkeit emporschwang, welche unverdienter
Weise, der Gegenstand der Bewunderung aller kleinen, und des Neides aller
zugleich boshaften Seelen zu sein pflegt: So müssen wir gestehen, dass diese
launische unerklärbare Macht, welche man Glück oder Zufall nennt, den wenigsten
Anteil daran hatte. Die Verdienste, die er sich in so kurzer Zeit um den Prinzen
sowohl als die Nation machte, die Beruhigung Siciliens, das befestigte Ansehen
von Syracus, die Verschönerung dieser Hauptstadt, die Verbesserung ihrer
Policei, die Belebung der Künste und Gewerbe, und die allgemeine Zuneigung,
welche er einer vormals verabscheueten Regierung zuwandte - - alles dieses legte
ein unverwerfliches Zeugnis für die Weisheit seiner Staats-Verwaltung ab; und da
alle diese Verdienste durch die Uneigennützigkeit und Regelmäßigkeit seines
Betragens in ein Licht gestellt wurden, welches keine Missdeutung zu zulassen
schien; so blieb seinen heimlichen Feinden, ohne die ungewisse Hilfe irgend
eines Zufalls, von dem sie selbst noch keine Vorstellung hatten, wenig Hoffnung
übrig, ihn so bald wieder zu stürzen, als sie es für ihre Privat-Absichten
wünschen mochten.
    Die heimlichen Feinde Agatons - - wie konnte ein Mann, der sich so
untadelich betrug, und um jedermann Gutes verdiente, Feinde haben? - - werden
diejenige vielleicht denken, welche bei Gelegenheit, zu
