, welche vormals von den Vertrauten des Prinzen
willkürlich ausgeübt worden war: In der Tat aber wurde er dadurch beinahe in die
Unmöglichkeit gesetzt, böses zu tun, wofern ihn etwan eine Versuchung dazu
ankommen sollte; da er bei allen seinen Handlungen von so vielen Augen
beobachtet, und verbunden war, von allem Rechenschaft zu geben, und nichts ohne
die Einstimmung des Prinzen, oder, welches eine Zeitlang einerlei war, seines
Repräsentanten, zu unternehmen.
    Wir könnten ohne Zweifel viel schönes von der Staats-Verwaltung Agatons
sagen, wenn wir uns in eine ausführliche Erzählung aller der nützlichen
Ordnungen und Einrichtungen ausbreiten wollten, welche er in Absicht der
Staats-Oeconomie, der Einziehung und Verwaltung der öffentlichen Einkünfte, der
Policei, der Landwirtschaft, des Handlungs-Wesens, und (welches in seinen Augen
eines der wesentlichsten Stücke war) der öffentlichen Sitten und der Bildung der
Jugend, teils wirklich zu machen anfing, teils gemacht haben würde, wenn ihm die
Zeit dazu gelassen worden wäre. Allein alles dieses gehört nicht zu dem Plan des
gegenwärtigen Werkes; und es wäre in der Tat nicht abzusehen, wozu ein solcher
Détail in unsern Tagen nutzen sollte, worin die Kunst zu regieren einen Schwung
genommen zu haben scheint, der die Maßregeln und das Beispiel unsers Helden eben
so unnütz macht, als die Projecte des guten Abbts von Saint Pierre,
patriotischen Gedächtnisses. Die Art, wie sich Agaton ehmals seines Ansehens
und Vermögens zu Athen bedient hat, kann unsern Lesern einen hinlänglichen
Begriff davon geben, wie er sich einer beinahe unumschränkten Macht und eines
königlichen Vermögens bedient haben werde.
    Nur einen Umstand können wir nicht vorbeigehen, weil er einen merklichen
Einfluss in die folgende Begebenheiten unsers Helden hatte. Dionys befand sich,
als Agaton an seinen Hof kam, in einen Krieg mit den Kartaginensern
verwickelt, welche durch verschiedene kleine Republiken des südlichen und
westlichen Teils von Sizilien unterstützt, unter dem Schein sie gegen die
Übermacht von Syracus zu schützen, sich der innerlichen Zwietracht der
Sicilianer, als einer guten Gelegenheit bedienen wollten, diese für ihre
Handlungs-Absichten unendlich vorteilhaft gelegene Insel in ihre Gewalt zu
bringen. Einige von diesen kleinen Republiken wurden von so genannten Tyrannen
beherrscht; und diese hatten sich bereits in die Arme der Kartaginenser
geworfen; die andren hatten sich bisher noch in einer Art von Freiheit erhalten,
und schwankten, zwischen der Furcht von Dionysen überwältiget zu werden, und dem
Misstrauen in die Absichten ihrer anmasslichen Beschützer, in einem Gleichgewicht,
welches alle Augenblicke auf die Seite der letztern überzuziehen drohte.
Timocrates, dem Dionys die oberste Befehlhabers-Stelle in diesem Kriege
anvertraute, hatte sich bereits durch einige Vorteile über die Feinde den oft
wohlfeilen Ruhm eines guten Generals erworben; aber mehr darauf bedacht, bei
dieser
