
den Einfall, zu gleicher Zeit, und durch einen einzigen kleinen Handgriff, sich
dieser Belohnung würdiger und bälder teilhaft zu machen. Eine bösartige Kolik,
wozu er das Recept hatte, beschleunigte das Ende des alten Tyrannen; Philistus
war der erste, der seinem jungen Gebieter die freudige Nachricht brachte, und
nun sah er sich auf einmal in dem geheimesten Vertrauen eines Königs, und in
kurzem am Ruder des Staats. Diese wenigen Anecdoten sind zureichend, uns einen
so sichern Begriff von dem moralischen Charakter dieses würdigen Ministers zu
geben, dass er nunmehr das ärgste dessen ein Mensch fähig ist, begehen könnte,
ohne dass wir uns darüber verwundern würden. Aber was für ein Physiognomist müsste
der gewesen sein, der diese Anecdoten in seinen Augen hätte lesen können? Es ist
wahr, Agaton dachte anfangs nicht allzuvorteilhaft von ihm; aber wie hätte er,
ohne besondere Nachrichten zu haben, oder selbst ein Philistus zu sein, sich
vorstellen sollen, dass Philistus das sein könnte, was er war? Wenige kannten die
inwendige Seite dieses Mannes; und diese wenige waren zu gute Hofmänner, um
ihren bisherigen Gönner eher zu verraten, als sein Sturz gewiss war, und sie
wissen konnten, was sie dadurch gewinnen würden; und Aristipp, für den sein
wahrer Charakter gleichfalls kein Geheimnis war, hatte sich vorgesetzt, einen
bloßen Zuschauer abzugehen. Agaton konnte also desto leichter hintergangen
werden, da Philistus alle seine Verstellungs-Kunst anstrengte, sich bei ihm in
Achtung zu setzen. Zu seinem großen Missvergnügen konnte er mit aller Kenntnis,
die er (nach einem gewöhnlichen, wiewohl sehr betrüglichen Vorurteil der
Hofleute) von den Menschen zu haben glaubte, die schwache Seite unsers Helden
nicht ausfündig machen. Es blieb ihm also kein andrer Weg übrig, als durch eine
große Arbeitsamkeit und Pünctlichkeit in den Geschäften sich bei dem neuen
Günstling in das Ansehen eines brauchbaren Mannes, und durch Tugenden, die er
eben so leicht als man eine Maskerade-Kleidung anzieht, affectieren konnte, so
bald er ihrer vonnöten hatte, sich endlich so gar in das Ansehen eines ehrlichen
Mannes zu setzen. Da zu diesen Eigenschaften, welche Agaton in ihm zu finden
glaubte, noch die Achtung, welche Dionys für ihn trug, und die Betrachtung
hinzukam, dass es für den Staat weniger sicher sei, einen ehrgeizigen Minister
abzudanken, als ihn mit scheinbarer Beibehaltung seines Ansehens in engere
Schranken zu setzen: So geschah es, dass sich diejenige in ihrer Meinung betrogen
fanden, welche den Fall des Philistus für eine unfehlbare Folge der Erhebung
Agatons gehalten hatten. Das Ansehen desselben schien sich eher zu vermehren,
indem er zum Vorsteher aller der verschiedenen Tribunalien ernennt wurde, unter
welche Agaton, mit der erforderlichen Einschränkung und Subordination,
diejenige Gewalt verteilte
