 bekämpfen. Er verschafte
ihr Gelegenheit, ihre belustigende Talente in einer Mannichfaltigkeit zu
entfalten, welche ihr immer die Reizungen der Neuheit gab. Er wusste es zu
veranstalten, dass Dionys durch öftere kleine Entfernungen verhindert wurde, sich
zu bald an dem Vergnügen zu ersättigen, welches er in den Armen dieser
angenehmen Kreatur zu finden schien. Er ging endlich gar so weit, dass er bei
Gelegenheit eines Gesprächs, wo die Rede von den allzustrengen Grundsätzen des
Plato über diesen Artikel war, sich kein Bedenken machte, zu sagen: Dass es
unbillig sei, einen Prinzen, welcher sich die Erfüllung seiner großen und
wesentlichen Pflichten mit gehörigem Ernst angelogen sein lasse, in seinen
Privat-Ergötzungen über die Grenzen einer anständigen Mäßigung einschränken zu
wollen. Alles, was ihm hierüber wiewohl in allgemeinen Ausdrücken, entfiel,
schien die Bedeutung einer stillschweigenden Einwilligung in die Schwachheit des
Prinzen für die schöne Bacchidion zu haben, und in der Tat war dieses sein
Gedanke. Wir lassen dahin gestellt sein, ob die gute Absicht die er dabei hatte,
hinlänglich sein mag, eine so gefährliche Äußerung zu rechtfertigen; aber es ist
gewiss, dass Dionys, der bisher aus einer gewissen Scham vor der Tugend unsers
Helden sich bemüht hatte, seine schwache Seite vor ihm zu verbergen, von dieser
Stunde an weniger zurückhaltend wurde, und aus dem vielleicht unrichtigen aber
sehr gemeinen Vorurteil, dass die Tugend eine erklärte Feindin der Gotteiten von
Cytere sein müsse, einen Argwohn gegen unsern Helden fasste, wodurch er um
einige Stufen herab, und mit ihm selbst und den übrigen Erdenbewohnern, in
Absicht gewisser Schwachheiten, in die nämliche Linie gestellt wurde - - ein
Verdacht, der zwar durch die sich selbst immer gleiche Aufführung Agatons bald
wieder zum Schweigen gebracht, aber doch nicht so gänzlich unterdrückt wurde,
dass sein geheimer Einfluss in der Folge den Beschuldigungen der Feinde Agatons,
den Zugang in das Gemüt eines Prinzen nicht erleichtert hätte, welcher ohnehin
so geneigt war, die Tugend entweder für Schwärmerei oder für Verstellung
zuhalten. Indessen gewann Agaton durch seine Nachsicht gegen die
Lieblings-Fehler dieses Prinzen, dass er sich desto williger bewegen ließ, an den
Geschäften der Regierung mehr Anteil zu nehmen, als er gewohnt war; und wir an
unserm teil können es ihm verzeihen, dass er das viele Gute welches er dadurch
erhielt, für eine hinlängliche Vergutung des Tadels ansah, den er sich durch
diese Gefälligkeit bei gewissen Leuten von strengen Grundsätzen zuzog, welche in
der weiten Entfernung von der Welt, worin sie leben, gute Weile haben, an andern
zu verdammen, was sie an derselben Platz, vielleicht noch schlimmer gemacht
haben würden.
    Außer der schönen Bacchidion, welche, wie wir gesehen haben, allen ihren
Ehrgeiz darein setzte, das Vergnügen
