, dass das Leben, zumal eines echten Staats-Mannes, einer Schiffahrt gleicht,
wo der Pilot sich gefallen lassen muss, seinen Lauf nach Wind und Wetter
einzurichten; wo er keinen Augenblick sicher ist durch widrige Ströme
aufgehalten oder seitwärts getrieben zu werden; und wo alles darauf ankommt,
mitten unter tausend unfreiwilligen Abweichungen von der Linie, die er sich in
seiner Karte gezogen hat, endlich dennoch, und so bald und wohlbehalten als
möglich, an dem vorgesetzten Ort anzulangen.
    Diesen allgemeinen Grundsätzen zufolge bestimmte er die Absichten bei allem
was er unternahm, den Grad des Guten, welches er sich zu erreichen vorsetzte,
und sein Verhalten gegen diejenige, welche ihm dabei am meisten hinderlich oder
beförderlich sein könnten - - jenes, nach dem Zusammenhang aller Umstände, worin
er die Sachen antraf - - dieses nach Beschaffenheit der Personen mit denen er's
zu tun hatte, oder richtiger zu reden, nach der zum teil wenig sichern
Vorstellung, die er sich von ihrem Charakter machte.
    Er konnte, seit dem er den Dionys näher kannte, nicht daran denken, ein
Muster eines guten Fürsten aus ihm zu machen; aber er hoffte doch nicht ohne
Grund, seinen Lastern ihr schädlichstes Gift benehmen, und seiner guten
Neigungen, oder vielmehr seiner guten Launen, seiner Leidenschaften und
Schwachheiten selbst, sich zum Vorteil des gemeinen Besten bedienen zu können.
Diese Meinung von seinem Prinzen war in der Tat so bescheiden, dass er sie nicht
tiefer herabstimmen konnte, ohne alle Hoffnung zu Erreichung seiner Entwürfe
aufzugeben; und doch zeigte sich in der Folge, dass er noch zu gut von ihm
gedacht hatte. Dionys hatte in der Tat Eigenschaften, welche viel gutes
versprachen; aber unglücklicher Weise hatte er für jede derselben eine andere,
welche alles wieder vernichtete, was jene zusagte; und wenn man ihn lange genug
in der Nähe betrachtet hatte, so befand sich's, dass seine vermeinten Tugenden
wirklich nichts anders als seine Laster waren, welche von einer gewissen Seite
betrachtet, eine Farbe der Tugend annahmen. Indessen ließ sich doch Agaton
durch diese guten Anscheinungen so verblenden, dass er die Unverbesserlichkeit
eines Characters von dieser Art, und also den Ungrund aller seiner Hoffnungen
nicht eher einsah, als bis ihm diese Entdeckung zu nichts mehr nutzen konnte.
    Die grösseste Schwachheit des Prinzen, seiner Meinung nach, war sein
übermässiger Hang zur Gemächlichkeit und Wollust. Er hoffte dem ersten dadurch zu
begegnen, dass er ihm die Geschäfte so leicht und so angenehm zu machen suchte
als möglich war; und dem andern, wenn er ihn wenigstens von den wilden
Ausschweifungen abgewöhnte, zu denen er sich bisher hatte hinreißen lassen.
Unsre Vergnügungen werden desto feiner, edler und sittlicher, je mehr die Musen
Anteil daran haben
