 schlimmer
für die, welche sich da immer selbst gleich bleiben - - Wir reden nicht von
Toren und Lasterhaften - - die Besten haben an ihren Ideen, Urteilen,
Empfindungen, selbst an dem worin sie vortrefflich sind, an ihrem Herzen, an
ihrer Tugend, unendlich viel zu verändern. Und die Erfahrung lehrt, dass wir
selten zu einer neuen Entwicklung unsrer Selbst, oder zu einer merklichen
Verbesserung unsers vorigen innerlichen Zustandes gelangen, ohne durch eine Art
von Medium zu gehen, welches eine falsche Farbe auf uns reflectiert, und unsre
wahre Gestalt eine Zeitlang verdunkelt. Wir haben unsern Helden bereits in
verschiedenen Situationen gesehen; und in jeder, durch den Einfluss der Umstände,
ein wenig anders als er wirklich ist. Er schien zu Delphi ein bloßer
speculativer Entusiast; und man hat in der Folge gesehen, dass er sehr gut zu
handeln wusste. Wir glaubten, nachdem er die schöne Cyane gedemütigt hatte, dass
ihm die Verführungen der Wollust nichts anhaben könnten, und Danae bewies, dass
wir uns betrogen hatten; es wird nicht mehr lange anstehen, so wird eine neue
vermeinte Danae, welche seine schwache Seite ausfündig gemacht zu haben glauben
mag, sich eben so betrogen finden. Er schien nach und nach ein andächtiger
Schwärmer, ein Platonist, ein Republicaner, ein Held, ein Stoiker, ein
Wollüstling; und war keines von allen, ob er gleich in verschiedenen Zeiten
durch alle diese Klassen ging, und in jeder eine Nüance von derselben bekam. So
wird es vielleicht noch eine Zeitlang gehen - - Aber von seinem Charakter, von
dem was er wirklich war, worin er sich unter allen diesen Gestalten gleich
blieb, und was zuletzt, nachdem alles Fremde und Heterogene durch die ganze
Folge seiner Umstände davon abgeschieden sein wird, übrig bleiben mag - - davon
kann dermalen die Rede noch nicht sein. Ohne also eben so voreilig über ihn zu
urteilen, wie man gewohnt ist, es im täglichen Leben alle Augenblicke zu tun - -
wollen wir fortfahren, ihn zu beobachten, die wahren Triebräder seiner
Handlungen so genau als uns möglich sein wird auszuspähen, keine geheime
Bewegung seines Herzens, welche uns einigen Aufschluss hierüber geben kann,
entwischen lassen, und unser Urteil über das Ganze seines moralischen Wesens so
lange zurückhalten, bis - - wir es kennen werden.
                                 Zehentes Buch
                                 Erstes Kapitel
                                   Von Haupn
                  Betragen Agatons am Hofe des Königs Dionys
Man tadelt an Shakespear - - demjenigen unter allen Dichtern seit Homer, der die
Menschen, vom Könige bis zum Bettler, und von Julius Cäsar bis zu Jack Fallstaff
am besten gekannt, und mit einer Art von unbegreiflicher Intuition durch und
durch gesehen hat - - dass seine Stücke keinen, oder doch nur einen sehr
fehlerhaften unregelmässigen und schlecht ausgesonnenen Plan
