
Torheiten der Großen, welche Achtung für uns zeigen, mit nachsichtvollen Augen
einzusehen?) flüsterte ihm ein: Dass der Geschmack für die Musik, und die
besondere Anmutung für ein gewisses Instrument, eine Sache sei, welche von
unsrer Organisation abhange; und dass es ihm nur desto leichter sein werde, sich
des Herzens dieses Prinzen zu versichern, je mehr er von den Geschicklichkeiten
besitze, wodurch man seinen Beifall erhalten könne.
    Die Gunst, in welche er sich in so kurzer Zeit und durch so zweideutige
Verdienste bei dem Tyrannen gesetzt, stieg bald darauf, bei Gelegenheit einer
academischen Versammlung, welche Dionys mit großen Feierlichkeiten
veranstaltete, zu einem solchen Grade, dass Philistus, der bisher noch zwischen
Furcht und Hoffnung geschwebet hatte, seinen Fall nunmehr für gewiss hielt.
    Dionys hatte vom Aristipp in der Stille vernommen, dass Agaton ehmals ein
Schüler Platons gewesen, und während seines Glücksstandes zu Athen für einen der
grössesten Redner in dieser schwatzhaften Republik gehalten worden sei. Erfreut,
eine Vollkommenheit mehr an seinem neuen Liebling zu entdecken, säumte er sich
keinen Augenblick, eine Gelegenheit zu veranstalten, wo er aus eigener Einsicht
von der Wahrheit dieses Vorgebens urteilen könnte; denn es kam ihm ganz
übernatürlich vor, dass man zu gleicher Zeit ein Philosoph, und so schön, und ein
so großer Citarschläger sollte sein können. Die Academie erhielt also Befehl
sich zu versammeln, und ganz Syracus wurde dazu, als zu einem Fest eingeladen,
welches sich mit einem großen Schmaus enden sollte. Agaton dachte an nichts
weniger, als dass er bei diesem Wettstreit eines Haufens von Sophisten (die er
nicht ohne Grund für sehr überflüssige Leute an dem Hofe eines guten Fürsten
ansah) eine Rolle zu spielen bekommen würde; und Aristipp hatte, aus dem
obenberührten Beweggrunde, der der Schlüssel zu seinem ganzen Betragen gegen
unsern Helden ist, ihm von Dionysens Absicht nichts entdeckt. Dieser eröffnete
als Präsident der Academie (denn seine Eitelkeit begnügte sich nicht an der
Ehre, ihr Beschützer zu sein) die Versammlung durch einen übel
zusammengestoppten, und nicht allzuverständlichen, aber mit Platonismen reich
verbrämten Discurs, welcher, wie leicht zu erachten, mit allgemeinem Zujauchzen
begleitet wurde; ungeachtet er dem Agaton mehr das ungezweifelte Vertrauen des
königlichen Redners in den Beifall, der ihm von Standes wegen zukam, als die
Größe seiner Gaben und Einsichten zu beweisen schien. Nach Endigung dieser Rede,
nahm die philosophische Hetze ihren Anfang; und wofern die Zuhörer durch die
subtilen Geister, die sich nunmehr hören ließ, nicht sehr unterrichtet wurden,
so fanden sie sich doch durch die Wohlredenheit des einen, die klingende Stimme
und den guten Accent eines andern, die paradoxen Einfälle eines dritten, und die
seltsamen Gesichter, die ein vierter zu seinen Distinctionen und Demonstrationen
