 vollzog denselben, ohne
unsern Helden merken zu lassen, wieviel Anteil er an dieser Neugier des Prinzen
gehabt hatte.
    Agaton sah eine so bald erfolgende Einladung als ein gutes Omen an, und
machte keine Schwierigkeit sie anzunehmen. Er erschien also vor dem Dionys, der
ihn mitten unter seinen Hofleuten auf eine sehr leutselige Art empfing. Er
erfuhr bei dieser Gelegenheit abermal, dass die Schönheit eine stumme Empfehlung
an alle Menschen, welche Augen haben, ist. Diese Gestalt des Vaticanischen
Apollo, die ihm schon so manchen guten - - und schlimmen - - Dienst getan, die
ihm die Verfolgungen der Pytia und die Zuneigung der Atenienser zugezogen, ihn
in den Augen der trazischen Bacchantinnen zum Gott, und in den Augen der
schönen Danae zum liebenswürdigsten der Sterblichen gemacht hatte - - Diese
Gestalt, diese einnehmende Gesichts-Bildung, diese mit Würde und Anstand
zusammenfliessende Grazie, welche allen seinen Bewegungen und Handlungen eigen
war - - taten ihre Wirkung, und zogen ihm beim ersten Anblick die allgemeine
Bewunderung zu. Dionys, welcher als König zu wohl mit sich selbst zufrieden war,
um über einen Privat-Mann wegen irgend einer Vollkommenheit eifersüchtig zu
sein, überließ sich dem angenehmen Eindruck, den dieser schöne Fremdling auf ihn
machte. Die Philosophen hofften, dass das Inwendige einer so viel versprechenden
Außenseite nicht gemäß sein werde, und diese Hoffnung setzte sie in den Stand,
mit einem Nasenrümpfen, welches den geringen Wert, den sie einem solchen Vorzug
beilegten, andeutete, einander zu zuraunen, dass er - - schön sei Aber die
Höflinge hatten Mühe ihren Verdruss darüber zu verbergen, dass sie keinen Fehler
finden konnten, der ihnen den Anblick so vieler Vorzüge erträglich gemacht
hätte. Wenigstens waren dieses die Beobachtungen, welche der kaltsinnige
Aristipp bei dieser Gelegenheit zu machen glaubte.
    Agaton verband in seinen Reden und in seinem ganzen Betragen so viel
Bescheidenheit und Klugheit mit dieser edelen Freiheit und Zuversichtlichkeit
eines Weltmannes, worin er sich zu Smyrna vollkommen gemacht hatte; dass Dionys
in wenigen Stunden ganz von ihm eingenommen war. Man weiß, wie wenig es oft
bedarf, den Großen der Welt zu gefallen, wenn uns nur der erste Augenblick
günstig ist. Agaton musste also dem Dionys, welcher wirklich Geschmack hatte,
notwendig mehr gefallen, als irgend ein anderer, den er jemals gesehen hatte;
und das, in immerzunehmendem Verhältnis, so wie sich, von einem Augenblick zum
andern, die Vorzüge und Talente unsers Helden entwickelten. In der Tat besaß er
deren so viele, dass der Neid der Höflinge, der in gleicher Proportion von Stunde
zu Stunde stieg, gewisser maßen zu entschuldigen war; die guten Leute würden
sich viel auf sich selbst eingebildet haben, wenn sie nur diejenigen
Eigenschaften, in einem solchen Grad,
