 Geschenke von ihm
anzunehmen, die er nicht durch parasitische Niederträchtigkeiten erkaufte. Durch
seine natürliche Denkungs-Art eben so sehr als durch seine, in der Tat ziemlich
gemächliche Philosophie, von Ambition und Geldgierigkeit gleich entfernt,
bediente er sich eines zulänglichen Erbguts, (welches er bei Gelegenheit durch
den erlaubten Vorteil, den er von seinen Talenten zog, zu vermehren wusste) um,
nach seiner Neigung, mehr einen Zuschauer als einen Acteur auf dem Schauplatz
der Welt vorzustellen. Da er einer der besten Köpfe seiner Zeit war, so gab ihm
diese Freiheit, worin er sich sein ganzes Leben durch erhielt, Gelegenheit sich
einen Grad von Einsicht zu erwerben, der ihn zu einem scharfen und sichern
Beurteiler aller Gegenstände des menschlichen Lebens machte. Meister über seine
Leidenschaften, welche von Natur nicht heftig waren; frei von allen Arten der
Sorgen, und in den Tumult der Geschäfte selbst niemals verwickelt, war es ihm
nicht schwer, sich immer in dieser Heiterkeit des Geistes, und in dieser Ruhe
des Gemütes zu erhalten, welche die Grundzüge von dem Charakter eines weisen
Mannes ausmachen. Er hatte seine schönsten Jahre zu Athen, in dem Umgang mit
Socrates und den grössesten Männern dieses berühmten Zeitalters zugebracht; die
Euripiden und Aristophane, die Phidias und die Polygnote, und die Wahrheit zu
sagen, auch die Phrynen, und Laiden, Damen, an denen die Schönheit die geringste
ihrer Reizungen war, hatten seinen Witz gebildet, und jenes zarte Gefühl des
Schönen in ihm entwickelt, welches ihn die Munterkeit der Grazien mit der
Severität der Philosophie auf eben diese unnachahmliche Art verbinden lehrte,
die ihm den Neid aller philosophischen Mäntel und Bärte seiner Zeit auf den Hals
zog. Nichts übertraf die Annehmlichkeit seines Umgangs; niemand wusste so gut wie
er, die Weisheit unter der gefälligen Gestalt des lächelnden Scherzes und der
guten Laune in solche Gesellschaften einzuführen, wo sie in ihrer eignen Gestalt
nicht willkommen wäre. Er besaß das Geheimnis, den Großen selbst die
unangenehmste Wahrheiten mit Hilfe eines Einfalls oder einer Wendung erträglich
zu machen, und sich an dem langweiligen Geschlechte der Narren und Gecken, wovon
die Höfe der (damaligen) Fürsten wimmelten, durch einen Spott zu rächen, den sie
dumm genug waren, mit dankbarem Lächeln für Beifall anzunehmen. Die
Lebhaftigkeit seines Geistes und die Kenntnis, die er von allen Arten des
Schönen besaß, machte dass er wenige seines Gleichen hatte, wo es auf die
Erfindung sinnreicher Ergötzlichkeiten, auf die Anordnung eines Festes, die
Auszierung eines Hauses, oder auf das Urteil über die Werke der Dichter,
Tonkünstler, Maler und Bildhauer ankam. Er liebte das Vergnügen, weil er das
Schöne liebte; und aus eben diesem Grunde liebte er auch die Tugend: Aber er
musste das Vergnügen in
