, und auf eine
so unbegreifliche Art, vernichtet worden. In der Tat bestund alles was man in
der Stadt davon wusste, in bloßen Mutmaßungen, die sich zum Teil auf allerlei
unzuverlässige Anecdoten gründeten, welche in Städten, wo ein Hof ist von
müßigen Leuten, die sich das Ansehen geben wollen, als ob sie von den
Geheimnissen und Intriguen des Hofes vollkommene Wissenschaft hätten, von
Gesellschaft zu Gesellschaft herumgetragen zu werden pflegen. Aristipp hatte in
der kurzen Zeit, seit dem er sich an Dionysens Hofe aufhielt, die schwache Seite
dieses Prinzen, den Charakter seiner Günstlinge, der Vornehmsten der Stadt, und
der Sicilianer überhaupt so gut ausstudiert, dass er, ohne sich in die
Entwicklung der geheimern Triebfedern (womit wir unsre Leser schon bekannt
gemacht haben) einzulassen, den Agaton leicht überzeugen konnte, dass ein
gleichgültiger Zuseher von den Anschlägen, Dions und Platons, den Dionys zu
einer freiwilligen Niederlegung der monarchischen Gewalt zu vermögen, sich
keinen glücklichern Ausgang habe versprechen können. Er malte den Tyrannen von
seiner besten Seite als einen Prinzen ab, bei dem die unglücklichste Erziehung
ein vortreffliches Naturell nicht habe verderben können; der von Natur
leutselig, edel, freigebig, und dabei so bildsam und leicht zu regieren sei, dass
alles bloß darauf ankomme, in was für Händen er sich befinde. Seiner Meinung
nach war, eben diese allzubewegliche Gemütsart und der Hang für die Vergnügungen
der Sinnen die fehlerhafteste Seite dieses Prinzen. Plato hätte die Kunst
verstehen sollen, sich dieser Schwachheiten selbst auf eine feine Art zu seinen
Absichten zu bedienen; aber das hätte eine Geschmeidigkeit, eine kluge Mischung
von Nachgiebigkeit und Zurückhaltung erfordert, wozu der Verfasser des Cratylus
und Timäus niemals fähig sein werde. Überdem hätte er sich zu deutlich merken
lassen, dass er gekommen sei, den Hofmeister des Prinzen zu machen; ein Umstand,
der schon für sich allein alles habe verderben müssen. Denn die schwächsten
Fürsten seien allemal diejenigen, vor denen man am sorgfältigsten verbergen
müsse, dass man weiter sehe als sie; sie würden sich's zur Schande rechnen, sich
von dem grössesten Geist in der Welt regieren zu lassen, so bald sie glauben, dass
er eine solche Absicht im Schilde führe; und daher komme es, dass sie sich oft
lieber der schimpflichen Herrschaft eines Kammerdieners oder einer Maitresse
unterwerfen, welche die Kunstgriffe besitzen, ihre Gewalt über das Gemüt des
Herrn unter sclavischen Schmeicheleien oder schlauen Liebkosungen zu verbergen.
Plato sei zu einem Minister eines so jungen Prinzen zu spitzfündig, und zu einem
Günstling zu alt gewesen; zudem habe ihm seine vertraute Freundschaft mit dem
Dion geschadet, da sie seinen heimlichen Feinden beständige Gelegenheit gegeben,
ihn dem Prinzen verdächtig zu machen. Endlich habe der Einfall, aus Sizilien
eine platonische
