 und ihm
bei Strafe des Lebens verboten, ohne besondere Erlaubnis des Dionys, Sizilien
wieder zu betreten. Dionys stellte sich, als ob er dieses Urteil ungern und
allein durch die Sorge für die Ruhe des Staats gezwungen unterzeichne; und um
eine Probe zu geben, wie gern er eines Prinzen, den er allezeit besonders
hochgeschätzt habe, schonen möchte, verwandelte er die Strafe der Konfiscation
aller seiner Güter in eine bloße Zurückhaltung der Einkünfte von denselben: Aber
niemand ließ sich durch diese Vorspieglungen hintergehen, da man bald darauf
erfuhr, dass er seine Schwester, die Gemahlin des Dion, gezwungen habe, die
Belohnung des unwürdigen Timocrat zu werden.
    Plato spielte bei dieser unerwarteten Katastrophe eine sehr demütigende
Rolle. Dionys affectierte zwar noch immer, ein großer Bewunderer seiner
Wissenschaft und Beredsamkeit zu sein; aber sein Einfluss hatte so gänzlich
aufgehört, dass ihm nicht einmal erlaubt war, die Unschuld seines Freundes zu
verteidigen. Er wurde täglich zur Tafel eingeladen; aber nur, um mit eignen
Ohren anzuhören, wie die Grundsätze seiner Philosophie, die Tugend selbst, und
alles was einem gesunden Gemüt ehrwürdig ist, zum Gegenstand leichtsinniger
Scherze gemacht wurden, welche sehr oft den echten Witz nicht weniger
beleidigten als die Tugend. Und damit ihm alle Gelegenheit benommen würde, die
widrigen Eindrücke, welche den Syracusanern gegen den Dion beigebracht worden
waren, wieder auszulöschen, wurde ihm unter dem Schein einer besonderen
Ehrenbezeugung eine Wache gegeben, welche ihn wie einen Staats-Gefangenen
beobachtete und eingeschlossen hielt. Der Philosoph hatte denjenigen Teil seiner
Seele, welchem er seinen Sitz zwischen der Brust und dem Zwerch-Fell angewiesen,
noch nicht so gänzlich gebändiget, dass ihn dieses Betragen des Tyrannen nicht
hätte erbittern sollen. Er fing an wie ein freigeborner Atenienser zu sprechen,
und verlangte seine Entlassung. Dionys stellte sich über dieses Begehren
bestürzt an, und schien alles anzuwenden, um einen so wichtigen Freund bei sich
zu behalten; er bot ihm so gar die erste Stelle in seinem Reich, und, wenn
Plutarch nicht zuviel gesagt hat, alle seine Schätze an, wofern er sich
verbindlich machen wollte, ihn niemals zu verlassen; aber die Bedingung, welche
er hinzusetzte, bewies, wie wenig er selbst erwartete, dass seine Erbietungen
angenommen werden würden. Denn er verlangte, dass er ihm seine Freundschaft für
den Dion aufopfern sollte; und Plato verstund den stillschweigenden Sinn dieser
Zumutung. Er beharrete also auf seiner Entlassung, und erhielt sie endlich,
nachdem er das versprechen von sich gegeben hatte, dass er wieder kommen wolle,
so bald der Krieg, welchen Dionys wider Kartago anzufangen im Begriff war,
geendigt sein würde. Der Tyrann machte sich eine große Angelegenheit daraus,
alle Welt zu überreden, dass sie als die besten Freunde
