 ihn auf reifere
Gedanken zu bringen. Sie billigten zwar seine gute Absicht; stellten ihm aber
vor, dass er sie sehr schlecht erreichen würde, wenn er das Volk, welches immer
als unmündig zu betrachten sei, zum Meister über eine Freiheit machen wollte,
die es, allem Vermuten nach, zu seinem grössesten Schaden missbrauchen würde. Sie
sagten ihm hierüber alles was die gesunde Politik sagen kann; und Plato
insonderheit bewies ihm, dass es nicht auf die Form der Verfassung ankomme, wenn
ein Staat glücklich sein solle, sondern auf die innerliche Güte der
Gesetzgebung, auf tugendhafte Sitten, auf die Weisheit desjenigen, dem die
Handhabung der Gesetze anvertraut sei. Seine Meinung ging dahin, dass Dionys
nicht nötig habe, sich der obersten Gewalt zu begeben, indem es nur von ihm
abhange, durch die vollkommene Beobachtung aller Pflichten eines weisen und
tugendhaften Regenten die Tyrannie in eine rechtmäßige Monarchie zu verwandeln;
welcher die Völker sich desto williger unterwerfen würden, da sie durch ein
natürliches Gefühl ihres Unvermögens sich selbst zu regieren, geneigt gemacht
würden, sich regieren zu lassen; ja denjenigen als eine gegenwärtige Gottheit zu
verehren, welcher sie schütze, und für ihre Glückseligkeit arbeite.
    Dion stimmte hierin nicht gänzlich mit seinem Freunde überein. Die Wahrheit
war, dass er den Dionys besser kannte, und weil er sich wenig Hoffnung machte,
dass seine guten Dispositionen von langer Dauer sein würden, gerne so schnell als
möglich einen solchen Gebrauch davon gemacht hätte, wodurch ihm die Macht Böses
zu tun, auf den Fall, dass ihn der Wille dazu wieder ankäme, benommen worden
wäre. Er breitete sich also mit Nachdruck über die Vorteile einer wohlgeordneten
Aristocratie vor der Regierung eines Einzigen aus, und bewies, wie gefährlich es
sei, den Wohlstand eines ganzen Landes von dem zufälligen und wenig sichern
Umstand, ob dieser Einzige tugendhaft sein wolle oder nicht, abhangen zu lassen.
Er ging so weit, zu behaupten, dass von einem Menschen, der die höchste Macht in
Händen habe, zu verlangen, dass er sie niemalen missbrauchen solle, eine Forderung
sei, welche über die Kräfte der Menschheit gehe; dass es nichts geringers sei,
als von einem mit Mängeln und Schwachheiten beladenen Geschöpfe, welches keinen
Augenblick aufs ich selbst zählen kann, die Weisheit und Tugend eines Gottes zu
erwarten. Er billigte also das Vorhaben des Dionys, die königliche Gewalt
aufzugeben, im höchsten Grade; aber darin stimmte er mit seinem Freunde überein,
dass anstatt die Einrichtung des Staats in die Willkür des Volks zu stellen, er
selbst, mit Zuzug der Besten von der Nation, sich ungesäumt der Arbeit
unterziehen sollte, eine daurhafte und auf den möglichsten Grad des allgemeinen
Besten abzielende Verfassung zu entwerfen; wozu er dem Prinzen allen
