 noch nicht merklich in die Augen fallende, aber innerlich
desto stärker gärende Bewegung desselben mit sehr lebhaften Farben, und mit
ziemlicher Vergrößerung der Umstände vormalten. Sie taten dieses mit vieler
Vorsichtigkeit, in gelegenen Augenblicken, nach und nach, und auf eine solche
Art, dass es dem Dionys scheinen musste, als ob ihm endlich die Augen von selbst
aufgingen; und dabei versäumten sie keine Gelegenheit, den Plato und den Prinzen
Dion bis in die Wolken zu erheben; und besonders in Ausdrücken, welche von der
schlauesten Bosheit ausgewählt wurden, von der außerordentlichen Hochachtung zu
sprechen, worein sie sich bei dem Volke setzten. Um den Tyrannen desto
aufmerksamer zu machen, wussten sie es durch tausend geheime Wege, wobei sie
selbst nicht zum Vorschein kamen, dahin einzuleiten, dass häufige und zahlreiche
Privat-Versammlungen in der Stadt angestellt wurden, wozu Dion und Plato selbst,
oder doch immer jemand von den besonderen Vertrauten des einen oder des andern
eingeladen wurde. Diese Versammlungen waren zwar nur auf Gastmähler und
freundschaftliche Ergötzungen angesehen; aber sie gaben doch dem Philistus und
seinen Freunden Gelegenheit mit einer Art davon zu reden, wodurch sie den Schein
politischer Zusammenkünfte bekamen; und das war alles was sie wollten.
    Durch diese und andre dergleichen Kunstgriffe gelang es ihnen endlich, dem
Dionys Argwohn beizubringen. Er fing an, in die Aufrichtigkeit seines neuen
Freundes ein desto größeres Misstrauen zu setzen, da er über das besondere
Verständnis, welches er zwischen ihm und dem Dion wahrnahm, eifersüchtig war;
und damit er desto bälder ins Klare kommen möchte, hielt er für das Sicherste,
den seit einiger Zeit vernachlässigten Timocrates wieder an sich zu ziehen; und
so bald er sich versichert hatte, dass er, wie vormals auf seine Ergebenheit
zählen könne ihm seine Wahrnehmungen und geheime Besorgnisse zu entdecken. Der
schlaue Günstling stellte sich anfangs, als ob er nicht glauben könne, dass die
Syracusaner im Ernste mit einem solchen Vorhaben umgehen sollten; wenigstens
(sagte er mit der ehrlichsten Mine von der Welt) könne er sich nicht vorstellen,
dass Plato und Dion den mindesten Anteil daran haben sollten; ob er gleich
gestehen müsste, dass seit dem der erste sich am Hofe befinde, die Syracusaner von
einem seltsamen Geiste beseelt würden, und zu den ausschweifenden Einbildungen,
welche sie sich zu machen schienen, vielleicht durch das außerordentliche
Ansehen verleitet würden, worin dieser Philosoph bei dem Prinzen stehe: Es sei
nicht unmöglich, dass die Republicanisch-Gesinnte sich Hoffnung machten,
Gelegenheit zu finden, indessen, dass der Hof die Gestalt der Academie gewänne,
dem Staat unvermerkt die Gestalt einer Democratie zu geben; indessen müsse er
gestehen, dass er nicht Vertrauen genug in seine eigene Einsicht setze, seinem
Herrn und Freunde in so delicaten Umständen
