 Freiheit wieder zu erlangen, mit einer so voreiligen Freude
sich überließen, dass die bevorstehende Staats-Veränderung der Inhalt aller
Gespräche wurde. In der Tat ging die Absicht Dions bei Berufung seines Freundes
auf nichts geringers. Beide waren gleich erklärte Feinde der Tyrannie und der
Democratie; von denen sie (mit welchem Grunde, wollen wir hier nicht
entscheiden) davorhielten, dass sie unter verschiedenen Gestalten, und durch
verschiedene Wege, am Ende in einem Puncte, nämlich in Mangel der Ordnung und
Sicherheit, Unterdrückung und Sklaverei zusammenliefen. Beide waren für
diejenige Art der Aristocratie, worin das Volk zwar vor aller Unterdrückung
hinlänglich sicher gestellt, folglich die Gewalt der Edelen, oder wie man bei den
Griechen sagte, der Besten, durch unzerbrechliche Ketten gefesselt ist; hingegen
die eigentliche Staats-Verwaltung nur bei einer kleinen Anzahl liegt, welche
eine genaue Rechenschaft abzulegen verwunden sind. Es war also wirklich ihr
Vorhaben, die Tyrannie, oder was man zu unsern Zeiten eine uneingeschränkte
Monarchie nennt, aus dem ganzen Sizilien zu verbannen, und die Verfassung dieser
Insel in die vorbemeldte Form zu gießen. Dem Dionys zu gefallen, oder vielmehr,
weil nach Platons Meinung die vollkommenste Staats-Form eine Zusammensetzung aus
der Monarchie, Aristocratie und Democratie sein musste, wollten sie ihrer neuen
Republik zwei Könige geben, welche in derselben eben das vorstellen sollten was
die Könige in Sparta; und Dionys sollte einer von denselben sein. Dieses waren
ungefähr die Grundlinien ihres Entwurfs. Sie ließ keine Gelegenheit vorbei,
dem Prinzen die Vorteile einer gesetzmässigen Regierung anzupreisen; aber sie
waren zu klug, von einer so delicaten Sache, als die Einführung einer
republicanischen Verfassung war, vor der Zeit zu reden, und den Tyrannen, eh ihn
Plato vollkommen zahm und bildsam gemacht haben würde, durch eine unzeitige
Entdeckung ihrer Absichten in seine natürliche Wildheit wieder
hineinzuschrecken.
    Unglücklicher Weise war das Volk so vieler Mäßigung nicht fähig, und dachte
auch ganz anders über den Gebrauch, den es von seiner Freiheit machen wollte.
Ein jeder hatte dabei eine gewisse Absicht, die er noch bei sich behielt, und
die gerade zu auf irgend einen Privat-Vorteil ging. Jeder hielt sich für mehr
als fähig, dem gemeinen Wesen gerade in dem Posten zu dienen, wozu er die
wenigste Fähigkeit hatte, oder hatte sonst seine kleine Forderungen zu machen,
welche er schlechterdings bewilliget haben wollte. Die Syracusaner verlangten
also eine Democratie; und da sie sich ganz nahe bei dem Ziel ihrer Wünsche
glaubten, so sprachen sie laut genug davon, dass Philistus und seine Freunde
Gelegenheit bekamen, den Tyrannen aus seinem angenehmen Platonischen
Enthusiasmus zu sich selbst zurückzurufen.
    Das erste was sie taten, war, dass sie ihm die Gesinnungen des Volkes, und
die zwar von außen
