
Bestimmung in diesen Worten ankündigte: Die Gesetze, Kallias, (denn dieses soll
künftig dein Name sein) geben mir zwar das Recht, dich als meinen Leibeigenen
anzusehen; aber es wird nur von dir abhangen, so glücklich in meinem Hause zu
sein, als ich selbst. Alle deine Verrichtungen werden darin bestehen, den Homer
bei meinem Tische, und die Aufsätze, mit deren Ausarbeitung ich mir die Zeit
vertreibe, in meinem Hör-Saal vorzulesen. Wenn dieses Amt leicht zu sein
scheint, so versichre ich dich, dass ich nicht leicht zu befriedigen bin, und dass
du Kenner zu Hörern haben wirst. Ein Jonisches Ohr will nicht nur ergötzt, es
will bezaubert sein. Die Annehmlichkeit der Stimme, die Reinigkeit und das
Weiche der Aussprache, die Richtigkeit des Accents, das Muntre, das
Ungezwungene, das Musicalische ist nicht hinlänglich; wir fodern eine vollkommne
Nachahmung, einen Ausdruck, der jedem Teile des Stücks, jeder Periode, jedem
Vers das Leben, den Affect, die Seele gibt, die sie haben sollen; kurz, die Art,
wie gelesen wird, soll das Ohr an die Stelle aller Übrigen Sinne setzen. Das
Gastmahl des Alcinous soll diesen Abend dein Probstück sein. Die Fähigkeiten,
die ich an dir zu entdecken hoffe, werden meine Absichten mit dir bestimmen; und
vielleicht wirst du in der Zukunft Ursache finden, den Tag, an dem du dem
Hippias gefallen hast, unter deine Glücklichen zu zählen. Mit diesen Worten
verließ er unsern Jüngling, und ersparte sich dadurch die Demütigung zu sehen,
wie wenig der neue Kallias durch die Hoffnungen gerührt schien, wozu ihn diese
Erklärung berechtigte. In der Tat hatte die Bestimmung, die Jonischen Ohren zu
bezaubern, in Agatons Augen nicht edels genug, dass er sich deswegen hätte
glücklich schätzen sollen; und über dem war etwas in dem Ton dieser Anrede,
welches ihm missfiel, ohne dass er eigentlich wusste, warum? Inzwischen vermehrte
sich seine Verwunderung, je mehr er sich in dem Hause des weisen Hippias umsah;
und er begriff nun ganz deutlich, dass sein Herr, was auch sonst seine Grundsätze
sein möchten, wenigstens von der Ertödung der Sinnlichkeit, wovon er ehmals den
Plato zu Athen sehr schöne Dinge sagen gehört hatte, keine Profession mache.
Allein wie er sah, was die Weisheit in diesem Hause für eine Tafel hielt, wie
prächtig sie sich bedienen ließ, was für reizende Gegenstände ihre Augen, und
was für wollüstige Harmonien ihre Ohren ergötzten, während dass der Schenk-Tisch
mit den ausgesuchtesten Weinen und den angenehm-betäubenden Getränken der
Asiaten beladen, den Sinnen zum Genuss so vieler Wollüste neue Kräfte zu geben
schien; wie er die Menge von jungen Sklaven sah, die den
