 ungemein gestiegen war; sie
waren die erklärten Bewunderer des Philosophen; sie lächelten ihm Beifall
entgegen, so bald er nur den Mund auftat; alle seine Vorschläge und Massnehmungen
waren bewundernswürdig; sie wussten nichts daran auszusetzen, oder wenn sie ja
Einwürfe machten, so war es nur um sich belehren zu lassen, und auf die erste
Antwort sich seiner höheren Weisheit überwunden zu gehen. Sie suchten seine
Freundschaft so gar mit einem Eifer, worüber sie den Fürsten selbst zu
vernachlässigen schienen; und besonders ließ sie sich sehr angelegen sein, die
Vorurteile zu zerstreuen, die man von der vorigen Staats-Verwaltung wider sie
gefasst haben könnte. Durch diese Kunstgriffe erreichten sie zwar die Absicht,
den weisen Plato sicher zu machen, nicht so vollkommen, dass er nicht immer
einiges gerechtes Misstrauen in die Aufrichtigkeit ihres Bezeugens gesetzt hätte;
er beobachtete sie genau; allein da sie gar nicht zweifelten, dass er es tun
würde, so war es ihnen leicht davor zu sein, dass er mit aller seiner
Scharfsichtigkeit nichts sah. Sie vermieden alles, was ihrem Betragen einen
Schein von Zurückhaltung, Zweideutigkeit und Geheimnis hätte geben können, und
nahmen ein so natürliches und einfaches Wesen an, dass man entweder ihres
gleichen sein, oder betrogen werden musste. Diese schöne Kunst ist eine von
denen, in welchen nur den Hofleuten gegeben ist, Meister zu sein. Man könnte die
Tugend selbst herausfordern, in einem höheren Grad und mit besserm Anstand Tugend
zu scheinen, als diese Leute es in ihrer Gewalt haben, so bald es ein Mittel zu
ihren Absichten werden kann, die eigenste Mine, Farbe, und äußerliche Grazie
derselben an sich zu nehmen.
    Was wir hier sagen, versteht sich insonderheit von zweenen, welche bei
dieser Veränderung des Tyrannen am meisten zu verlieren hatten. Philistus war
bisher der vertrauteste unter seinen Ministern, und Timocrates sein Liebling
gewesen. Beide hatten sich mit einer Eintracht, welche ihrer Klugheit Ehre
machte, in sein Herz, in die höchste Gewalt, wozu er nur seinen Namen hergab,
und in einen beträchtlichen Teil seiner Einkünfte geteilt. Izt zog die
gemeinschaftliche Gefahr das Band ihrer Freundschaft noch enger zusammen. Sie
entdeckten einander ihre Besorgnisse, ihre Bemerkungen, ihre Anschläge; sie
redeten die Maßregeln mit einander ab, die in so critischen Umständen genommen
werden mussten; und gingen, weil sie die schwache Seite des Tyrannen besser
kannten, als irgend ein andrer, mit so vieler Schlauheit zu Werke, dass es ihnen
nach und nach glückte, ihn gegen Platon und Dion einzunehmen, ohne dass er
merkte, dass sie diese Absicht hatten.
    Wir haben schon bemerkt, dass die Syracusaner, vermöge einer Eigenschaft,
welche aller Orten das Volk characterisiert, der Hoffnung durch Vermittlung des
Platon ihre alte
