: indem der erste sich dem gesellschaftlichen Leben entweder gänzlich
entzieht (welches wirklich das Beste ist, was er tun kann) oder wenn er von dem
beschaulichen Leben ins würksame übergeht, durch Mangel an Kenntnis einer ihm
ganz fremden Welt, durch abgezogene Begriffe, welche nirgends zu den
Gegenständen, die er vor sich hat, passen wollen, durch übertrieben moralische
Zärtlichkeit, und tausend andre Ursachen, die ihren Grund in seiner vormaligen
Lebens-Art haben, andern wider seine Absicht öfters, sich selbst aber allezeit
schädlich wird.
    In wie fern diese Sätze richtig seien, oder in besonderen Fällen einige
Ausnahmen zulassen, zu untersuchen, würde zu weit von unserm Vorhaben abführen,
genug für uns, dass sie dem Agaton begründet genug schienen, um sich selbst
desto leichter zu vergeben, dass er, wie der Homerische Ulyss in der Insel der
Kalypso, sich in dem bezauberten Grunde der Wollust hatte aufhalten lassen, sein
erstes Vorhaben, die Schüler des Zoroasters und die Priester zu Sais zu
besuchen, sobald als ihm Danae seine Freiheit wieder geschenkt hatte, ins Werk
zu setzen. Kurz, seine Erfahrungen machten ihm die Wahrheit seiner ehemaligen
Denkungs-Art verdächtig, ohne ihm einen gewissen geheimen Hang zu seinen alten
Lieblings-Ideen benehmen zu können. Seine Vernunft konnte in diesem Stücke mit
seinem Herzen und sein Herz mit sich selbst nicht recht einig werden; und er war
nicht ruhig genug, oder vielleicht auch zu träge, seine nunmehrige Begriffe in
ein System zu bringen, wodurch beide hätten befriedigt werden können. In der Tat
ist ein Schiff eben nicht der bequemste Ort, ein solches Werk, wozu die Stille
eines dunkeln Hains kaum stille genug ist, zu Stande zubringen; und Agaton mag
daher zu entschuldigen sein, dass er diese Arbeit verschob, ob es gleich eine von
denen ist, welche sich so wenig aufschieben lassen, als die Ausbesserung eines
baufälligen Gebäudes, denn so wie dieses mit jedem Tage, um den seine
Wiederherstellung aufgeschoben wird, dem gänzlichen Einsturz näher kommt; so
pflegen auch die Lücken in unsern moralischen Begriffen und die Misshelligkeiten
zwischen dem Kopf und dem Herzen immer größer und gefährlicher zu werden, je
länger wir es aufschieben sie mit der erforderlichen Aufmerksamkeit zu
untersuchen, und eine richtige Verbindung und Harmonie zwischen den Teilen und
dem Ganzen herzustellen.
    Doch dieser Aufschub war in dem besonderen Falle, worin sich Agaton befand,
desto weniger schädlich, da er, von der Schönheit der Tugend und der
unauflöslichen Verbindlichkeit ihrer Gesetze mehr als jemals überzeugt, eine auf
das wahre allgemeine Beste gerichtete Würksamkeit für die Bestimmung aller
Menschen, oder wofern ja einige Ausnahme zu Gunsten der bloß contemplativen
Geister zu machen wäre, doch gewiss für die seinige hielt. Vormals war er nur
zufälliger Weise, und
