 Nur mög' es uns erlaubt sein, eh wir
unsre Erzählung fortsetzen, zum besten unsrer jungen Leser, zu welchen wir uns
nicht entbrechen können eine vorzügliche Zuneigung zu tragen, einige Anmerkungen
zu machen, für welche wir keinen schicklichern Platz wissen, und welche
diejenigen, die wie Schah Baham keine Liebhaber vom moralisieren sind, füglich
überschlagen, oder, bis wir damit fertig sind, sich indessen, wenn es ihnen
beliebe, die Zeit damit vertreiben können, die Spitze ihrer Nase anzuschauen.
    Was würdet ihr also dazu sagen, meine jungen Freunde, wenn ich euch mit der
Amts-Mine eines Sittenlehrers auf der Katheder, in geometrischer Methode
beweisen würde, dass ihr zu einer vollkommenen Unempfindlichkeit gegen diese
liebenswürdige Geschöpfe verbunden seid, für welche eure Augen, euer Herz, und
eure Einbildungs-Kraft sich vereinigen, euch einen Hang einzuflößen, der, so
lang er in einem unbestimmten Gefühl besteht, euch immer beunruhiget, und so
bald er einen besonderen Gegenstand bekommt, die Seele aller eurer übrigen Triebe
wird?
    Dass wir einen solchen Beweis führen, und was noch ein wenig grausamer ist,
dass wir euch die Verbindlichkeit aufdringen könnten, keines dieser anmutsvollen
Geschöpfe, so vollkommen es immer in euren bezauberten Augen sein möchte, eher
zu lieben, bis es euch befohlen wird, dass ihr sie lieben sollt - - ist eine
Sache, die euch nicht unbekannt sein kann. Aber eben deswegen, weil es so oft
bewiesen wird, können wir es als etwas ausgemachtes voraussetzen; und uns
deucht, die Frage ist nun allein, wie es anzufangen sei, um euer widerstrebendes
Herz für Pflichten gelehrig zu machen, gegen welche ihr tausend scheinbare
Einwendungen zu machen glaubt, wenn ihr uns am Ende doch nichts anders gesagt
habt, als ihr habet keine Lust, sie auszuüben.
    Die Auflösung dieser Frage deucht uns die große Schwierigkeit, worin uns die
gemeinen Moralisten mit einer Gleichgültigkeit stecken lassen, die desto
unmenschlicher ist, da wenige unter ihnen sind, welche nicht auf eine oder die
andere Art erfahren hätten, dass es nicht so leicht sei einen Feind zu schlagen,
als zu beweisen, dass er geschlagen werden solle.
    Indessen nun, bis irgend ein wohltätiger Genius ein sicheres, kräftiges und
allgemeines Mittel ausfündig gemacht haben wird, diese Schwierigkeiten zu heben,
erkühnen wir uns, euch einen Rat zu geben, der zwar weder allgemein noch ohne
alle Ungelegenheiten ist, aber doch, alles wohl überlegt, euch bis zu Erfindung
jenes unfehlbaren moralischen Laudanums, in mehr als einer Absicht von
beträchtlichem Nutzen sein könnte.
    Wir setzen hiebei zwei gleich gewisse Wahrheiten voraus: die eine; dass die
meisten jungen Leute, und vielleicht auch ein guter Teil der Alten, entweder zur
Zärtlichkeit oder doch zur Liebe im
