 belachen.
    Hier ging unserm Helden, welcher die boshafte Vergleichung mit der
Korintischen Lais schon auf die befremdlichste Art ärgerlich gefunden hatte,
die Geduld gänzlich aus. Er setzte den Sophisten mit aller Hitze eines in dem
Gegenstande seiner Anbetung beleidigten Liebhabers wegen des zweideutigen Tons
zu Rede, womit er sich anmasse, von einer Person wie Danae zu sprechen; und sein
Unwille sowohl als seine Verwirrung stieg auf den äußersten Grad, da ein
Satyr-mässiges Gelächter die ganze Antwort des Hippias war.
    Es ist so leicht voraus zu sehen, was für einen Ausgang diese Szene nehmen
musste, dass wir nach allem was von den Absichten des Sophisten bereits gesagt
worden ist, den Leser seiner eignen Einbildung überlassen können. Ungeduldige
Fragen auf der einen - - Ausflüchte und schalkhafte Wendungen auf der andern
Seite; bis sich Hippias auf vieles Zureden endlich das Geheimnis des wahren
Standes der schönen Danae, und derjenigen Anecdoten, welche wir (wiewohl aus
unschuldigern Absichten) unsern Lesern schon im dritten Kapitel des vierten
Buches verraten haben, mit einer Gewalt, welcher seine vorgebliche Freundschaft
für Agaton nicht widerstehen konnte, abnötigen ließ.
    Wir haben schon bemerkt, wie viel es bei Erzählung einer Begebenheit auf die
Absicht des Erzählers ankomme, und wie verschieden die Wendungen seien, welche
sie durch die Verschiedenheit derselben erhält. Danae erzählte ihre Geschichte
mit der unschuldigen Absicht zu gefallen. Sie sah natürlicher Weise ihre
Aufführung, ihre Schwachheiten, ihre Fehltritte selbst in einem mildern, und
(lasset uns die Wahrheit sagen) in einem wahrern Licht als die Welt; welche auf
der einen Seite von allen den kleinen Umständen, die uns rechtfertigen oder
wenigstens unsre Schuldvermindern könnten, nicht unterrichtet, und auf der
andern Seite boshaft genug ist, um ihres größeren Vergnügens willen das Gemälde
unsrer Torheiten mit tausend Zügen zu überladen, um welche es zwar weniger wahr
aber desto comischer wird. Unglücklicher Weise für sie erforderte die Absicht
des Hippias, dass er diese schalkhafte Kunst, eine Begebenheit ins Hässliche zu
malen, so weittreiben musste, als es die Gesetze der Wahrscheinlichkeit nur immer
erlauben konnten.
    Unser Held glich während dieser Entdeckungen mehr einer Bild-Säule oder
einem Toten als sich selbst. Kalte Schauer und fliegende Glut fuhren
wechselsweise durch seine Adern. Seine von den widerwärtigsten Leidenschaften
auf einmal bestürmte Brust atmete so langsam, dass er in Ohnmacht gefallen wäre,
wenn nicht Eine davon plötzlich die Oberhand behalten, und durch den heftigsten
Ausbruch dem gepressten Herzen Luft gemacht hätte. Das Licht, worin ihm Hippias
seine Göttin zeigte, machte mit demjenigen, worin er sie zu sehen gewohnt war,
einen so beleidigenden Kontrast; der Gedanke, sich so sehr betrogen zu haben,
war so unerträglich, dass es ihm unmöglich fallen musste, dem Sophisten Glauben
beizumessen.
