, selbst von dem
Gott der Liebe begeistert, und was noch schlimmer ist, eine Priesterin - - in
einer so belaurenden Stellung, mit so schwarzen Augen, mit einem so schönen
Busen - ist ganz unstreitig ein gefährlicher Anblick für einen jeden, der (wie
Phryne sagt) keine Statue ist: Und die Poesie müsste die magischen Kräfte nicht
haben, welche ihr von jeher zugeschrieben worden sind, wenn in einer solchen
Situation das Lesen einer Szene, wie die Verführung Jupiters durch den Gürtel
der Venus in der Iliade ist, den natürlichen Wirkungen eines damit so
übereinstimmenden Gegenstands, nicht eine verdoppelte Stärke hätte geben sollen.
Allein dem sei nun wie ihm wolle, so ist gewiss, dass Danae, in der Erzählung
ihrer Geschichte mehr die Gesetze des Schönen und Anständigen als die Pflichten
einer genauen historischen Treue zu ihrem Augenmerk genommen, und sich kein
Bedenken gemacht, bald einen Umstand zu verschönern, bald einen andern gar
wegzulassen, so oft es die besondere Absicht auf ihren Zuhörer erfodern mochte.
Denn für diesen allein, nicht für die Welt, erzählte sie; und sie konnte sich
also durch die strengen Forderungen, welche die Letztere (wie wohl vergebens) an
die Geschichtschreiber macht, nicht so sehr gebunden halten. Nicht, als ob sie
ihm irgend eine hauptsächliche Begebenheit ihres Lebens gänzlich verschwiegen,
oder ihn statt der würklichen durch erdichtete hintergangen hätte. Sie sagte ihm
alles. Allein es gibt eine gewisse Kunst, dasjenige was einen widrigen Eindruck
machen könnte, aus den Augen zu entfernen; es kommt soviel auf die Wendung an;
ein einziger kleiner Umstand gibt einer Begebenheit eine so verschiedene Gestalt
von demjenigen, was sie ohne diesen kleinen Umstand gewesen wäre; dass man ohne
eine merkliche Veränderung dessen was den Stoff der Erzählung ausmacht, tausend
sehr bedeutende Treulosigkeiten an der historischen Wahrheit begehen kann. Eine
Betrachtung, die uns (im Vorbeigehen zu sagen) die Geschichtschreiber ihres
eignen werten Selbsts, keinen Xenophon noch Marcus Antoninus, ja selbst den
offenherzigen Montaigne nicht ausgenommen, noch verdächtiger macht, als irgend
eine andre Klasse von Geschichtschreibern.
    Die schöne und kluge Danae hatte also ihrem Liebhaber weder ihre Erziehung
in Aspasiens Hause, noch ihre Bekanntschaft mit dem Alcibiades, noch die
glorreiche Liebe, welche sie dem Prinzen Cyrus eingeflößt hatte, verhalten. Alle
diese, und viele andre nicht so schimmernde Stellen ihrer Geschichte machten ihr
entweder Ehre, oder konnten doch mit der Geschicklichkeit, worin sie die zweite
Aspasia war, auf eine solche Art erzählt werden, dass sie ihr Ehre machten.
Allein was diejenigen Stellen betraf, an denen sie alle Kunst, die man auf ihre
Verschönerung wenden möchte, für verloren hielt; es sei nun, weil sie an sich
selbst, oder in Beziehung auf den eigenen Geschmack
