 gemeiniglich eben so leicht verloren als gewonnen wird, und mit den
Gunstbezeugungen gewisser Nymphen noch diese Ähnlichkeit hat, dass derjenige,
welcher unvorsichtig genug gewesen ist davon zu kosten, einen kurzen Traum von
Vergnügen gemeiniglich mit langwierigen Schmerzen bezahlen muss.
    Hippias nannte sich einen Freund der schönen Danae, und wurde von ihr dafür
gehalten; eine Bekanntschaft von mehr als zwölf Jahren hatte dieses beiden zur
Gewohnheit gemacht. Hiezu kam noch die natürliche Verwandtschaft, welche unter
Leuten von Witz und feiner Lebenr Denkungs-Art, und Neigungen; vielleicht auch
die besondere Vorrechte, die er, der gemeinen Meinung nach, eine Zeit lang bei
ihr genossen. Alles dieses hatte diese Art von Vertraulichkeit unter ihnen
hervorgebracht, welche von den Weltleuten, aus einem Missverstande dessen sie
sich nur nicht vermuten, für Freundschaft gehalten wird, und auch in der Tat
alle Freundschaft, deren sie fähig sind, ausmacht; ob es gleich gemeiniglich
eine bloß mechanische Folge zufälliger Umstände, und im Grunde nichts bessers
als eine stillschweigende Übereinkommnis ist, einander so lange gewogen zu sein,
als es einem oder dem andern Teil gelegen sein werde; und daher auch
ordentlicher Weise keinen Augenblick länger daurt, als bis sie auf irgend eine
Probe, wobei sich die Eigenliebe einige Gewalt antun müsste, gesetzt werden
wollte.
    Die schöne Danae, deren Herz unendlich mal besser war als des Sophisten
seines, ging inzwischen ganz aufrichtig zu Werke, indem sie in die vermeinte
Freundschaft dieses Mannes nicht den mindesten Zweifel setzte. Es ist wahr, er
hatte einen guten Teil von ihrer Hochachtung, und also zugleich von ihrem
Vertrauen verloren, seitdem die Liebe so sonderbare Veränderungen in ihrem
Charakter gewürkt hatte. Je mehr Agaton gewann, je mehr musste Hippias
verlieren. Allein das war so natürlich und kam so unvermerkt, dass sie sich
dessen kaum, oder nur sehr undeutlich bewusst war; und vielleicht so wenig, dass
sie, ohne die mindeste Besorgnis, er werde tiefer in ihr Herz hineinschauen als
sie selbst, an nichts weniger dachte, als einige Vorsichtigkeit gegen ihn zu
gebrauchen. Ein Beweis hievon ist, dass sie, anstatt ihm bei ihrem Liebhaber
schlimme Dienste zu tun, sich vielmehr bei jedem Anlass bemühete, ihn bei
demselben in bessere Achtung zu setzen. Und dieses war ihr auch, bei der
besonderen Sorgfalt, womit der Sophist seit einiger Zeit ihre Bemühung
beförderte, so wohl gelungen, dass Agaton anfing eine bessere Meinung von seinem
Charakter zu fassen, und sich unvermerkt so viel Vertrauen von ihm abgewinnen
ließ, dass er kein Bedenken mehr trug, sich so gar über die Angelegenheiten
seines Herzens in vertrauliche Unterredungen mit ihm einzulassen.
    Unsre Liebende verliefen sich also mit der sorglosesten Unvorsichtigkeit,
welche sich Hippias nur wünschen konnte, in die Fallstricke die er
