 verwandeln, dass Agaton, welcher weder Kunst
noch Absicht unter ihrem Betragen argwohnte, ganz treuherzig in die Schlinge
fiel, und in kurzem wieder so zärtlich und dringend wurde, als ob er erst
anfangen müsste, sich um ihr Herz zu bewerben. Zwar war es nicht in ihrer Gewalt,
ihm diese Begeisterung mit allem ihrem zauberischen Gefolge wieder zu geben,
welche, wenn sie einmal verschwunden ist, nicht wieder zu kommen pflegt; aber
die Lebhaftigkeit, womit ihre Reizungen auf seine Sinnen, und die Empfindungen
der Dankbarkeit und Freundschaft auf sein Herz würkten, brachten doch ungefähr
die nämliche Phänomena hervor; und da man gewohnt ist, gleiche Wirkungen
gleichen Ursachen zu zuschreiben, so ist es nicht unbegreiflich, wie beide sich
eine Zeitlang hierin betrügen konnten, ohne nur zu vermuten, dass sie betrogen
würden.
    Es ist sehr zu vermuten, dass es bei dieser schlauen Mäßigung, wodurch die
schöne Danae die Folgen ihrer vorigen Unvorsichtigkeit wieder gut zu machen
wusste, um unsern Helden geschehen gewesen wäre; und dass seine Tugend unter
diesem zweifelhaften Streit mit seiner Leidenschaft, bei welchem wechselsweise
bald die eine, bald die andere die Oberhand behielt, endlich gefällig genug
worden wäre, sich mit ihrer schönen Feindin in einen vielleicht nicht
allzurühmlichen Vergleich einzulassen, und die Glückseligkeit der
liebenswürdigen Danae dadurch auf immer sicher zu stellen; wenn nicht der
unglücklichste Zufall, der ihr mit einem so sonderbaren Mann, als Agaton war,
nur immer begegnen konnte, sie auf einmal mit seiner Hochachtung alles dessen
beraubt hätte, was sie noch im Besitz seines Herzens erhalten hatte. Eine einst
geliebte Person behält (auch wenn das Fieber der Liebe vorbei ist) noch immer
eine große Gewalt über unser Herz, so lange sie unsere Hochachtung nicht
verloren hat. Agaton war zu edelmütig, die schöne Danae für die Schwachheit,
welche sie gegen ihn gehabt hatte, (das einzige, was die Hochachtung hätte
vermindern können, welche sie durch so viele schöne Eigenschaften des Geistes
und des Herzens verdiente,) dadurch zu bestrafen, dass er ihr deswegen nur das
mindeste von der seinigen entzogen hätte. Aber so bald es dahin gekommen war,
dass er sich in seiner Meinung von ihrem Charakter und moralischen Werte betrogen
zu haben glaubte; so bald er sich gezwungen sah, sie zu verachten; hörte sie
auf, Danae für ihn zu sein; und durch eine ganz natürliche Folge wurde er in dem
nämlichen Augenblick wieder Agaton.
                             Ende des ersten Teils
 
                                  Zweiter Teil
                                   Achtes Buch
                                 Erstes Kapitel
                           Vorbereitung zum Folgenden
Die Laune eines Dichters, die Treue einer Buhlerin, und die Freundschaft eines
Hippias, sind vielleicht die drei unzuverlässigsten Dinge unter allen in der
Welt; es wäre denn, dass man die Gunst der Großen für das Vierte halten wollte,
welche
