 noch in eben der Stunde, mit so leichtem Hetzen verließ, als wie ein
Gefangener den Kerker verlässt, aus dem er unverhofft in Freiheit gesetzt wird.
Die Tränen der wenigen, welche mein Fall nicht von mir verscheucht hatte, und
meiner guten Hausgenossen, waren das einzige, was bei einem Abschiede, den wir
auf ewig von einander nahmen, mein Herz erweichte; und ihre guten Wünsche alles,
was ich von den Wirkungen ihrer mitleidigen und dankbaren Sorgfalt annahm.
    Ich befand mich nun wieder ungefähr in eben den Umständen, worin ich vor
einigen Jahren unter dem Cypressenbaum im Vorhofe meines noch unbekannten Vaters
zu Korint gelegen war. Die großen Veränderungen, die manchfaltigen Szenen von
Reichtum, Ansehen, Gewalt und äusserlichem Schimmer, durch welche mich das Glück
in dieser kurzen Zwischenzeit herumgedreht hatte, waren nun wie ein Traum
vorüber; aber die wesentlichen Vorteile, die von allen diesen Begegnissen in
meinem Geist und Herzen zurückgeblieben waren, überzeugten mich, dass ich nicht
geträumt hatte. Ich fand mich um eine Menge nützlicher und angenehmer
Kenntnisse, um die Entwicklung meiner Fähigkeiten, um das Bewusstsein vieler
guten Handlungen, und um eine Reihe wichtiger Erfahrungen, reicher als zuvor.
Ich hatte den Geist der Republiken, den Charakter des Volks, und die
Eigenschaften und Wirkungen vieler mir vorher unbekannten Leidenschaften kennen
gelernt, und Gelegenheiten genug gehabt, vieler irrigen Einbildungen los zu
werden, welche man sich von der Welt zu machen pflegt, wenn man sie nur von
Ferne, und ohne selbst in ihre Geschäfte eingeflochten zu sein, betrachtet. Zu
Delphi hatte man mich (zum Exempel) gelehrt, dass sich das ganze Gebäude der
Republicanischen Verfassung auf die Tugend gründe; die Atenienser lehrten mich
hingegen, dass die Tugend an sich selbst nirgends weniger geschätzt wird, als in
einer Republik; den Fall ausgenommen, da man ihrer vonnöten hat; und in diesem
Fall wird sie unter einem jeden Tyrannen eben so hoch geschätzt, und oft besser
belohnt. Überhaupt hatte mein Aufenthalt in Athen, die erhabene Theorie von der
Vortrefflichkeit und Würde der menschlichen Natur, wovon ich eingenommen war,
sehr schlecht bestätiget; aber ich fand mich nichts desto geneigter von ihr
zurückzukommen. Ich legte alle Schuld auf die Kontagion allzugrosser
Gesellschaften, auf die Mängel der Gesetzgebung, auf das Privatinteresse,
welches bei allen policierten Völkern, durch ein unbegreifliches Versehen ihrer
Gesetzgeber, in einem beständigen Streit mit dem gemeinen Besten liegt. Kurz,
ich dachte darum nicht schlimmer von der Menschheit, weil sich die Atenienser
unbeständig, ungerecht und undankbar gegen mich bewiesen hatten; aber ich fasste
einen desto stärkeren Widerwillen gegen eine jede andere Gesellschaft, als eine
solche, welche sich auf übereinstimmende Grundsätze, Tugend und Bestrebung nach
moralischer Vollkommenheit gründete. Der Verlust meiner Güter,
