
arbeitete. In der Tat hatte die Beredsamkeit meines Anklägers hier ein schönes
Feld, sich zu ihrem Vorteil zu zeigen, und seinen Zuhörern das republicanische
Vergnügen zu machen, eine Tugend, welche mir zu große Vorzüge vor meinen
Mitbürgern zu gehen schien, heruntergesetzt zu sehen. Indessen, ob er gleich
keinen Teil meines Privat-Lebens (so untadelhaft es ehemals meinen Gönnern
geschienen hatte) unbeschmjetzt ließ; so mochte er doch besorgen, dass die
Kunstgriffe, deren er sich dazu bedienen musste, zu stark in die Augen fallen
möchten. Er raffte also alles zusammen, was nur immer fähig sein konnte, mich in
ein verhasstes Licht zu stellen; und da es ihm an Verbrechen, die er mir mit
einiger Wahrscheinlichkeit hätte aufbürden können, mangelte, so legte er mir
fremde Torheiten, und selbst die ausschweifenden Ehren-Bezeugungen zur Last,
welche mir in der Flut meines Glückes und meiner Gunst bei dem Volk aufgedrungen
worden waren. Ich musste izt so gar für die elenden Verse Rechenschaft geben,
womit einige Dichter, denen ich aus einem vielleicht zu weit getriebenen
Mitleiden erlaubte, mir täglich um die Essens-Zeit ihren Besuch abzustatten, mir
die Dankbarkeit ihres Magens, auf Unkosten ihres Ruhms und des meinigen, zu
beweisen gesucht hatten. Man beschuldigte mich in ganzem Ernst, dass ich
übermütig und gottlos genug gewesen sei, mich für einen Sohn des delphischen
Apollo auszugeben; und mein Ankläger ließ diese Gelegenheit nicht entgehen, über
meine wahre Geburt Zweifel zu erregen, und, unter vielen scherzhaften Wendungen,
die Meinung derjenigen wahrscheinlich zu finden, welche (wie er sagte)
benachrichtigt zu sein glaubten, dass ich mein Dasein den verstohlenen
Liebes-Händeln irgend eines delphischen Priesters zu danken hätte. In dieser
ganzen Rede ersetzte ein von Bosheit beseelter Witz den Abgang gründlicher
Beweise; aber die Atenienser waren schon lange gewohnt, sich Witz für Wahrheit
verkaufen zu lassen, und sich einzubilden, dass sie überzeugt würden, wenn ihr
Geschmack belustigt und ihre Ohren gekitzelt wurden. Sie machte also allen den
Eindruck, und vielleicht noch mehr, als meine Feinde sich davon versprochen
hatten. Die Eifersucht, welche sie in den Gemütern anblies, verwandelte die
übermäßige Zuneigung, deren Gegenstand ich zwei Jahre lang gewesen war, in einer
Zeit von zwo Stunden in den bittersten Hass. Die Atenienser erschraken vor dem
Abgrund, an dessen Rand sie sich, durch ihre Verblendung für mich, unvermerkt
hingezogen sahen. - - Sie erstaunten, dass sie meine Unfähigkeit zur
Staats-Verwaltung, meine Begierde nach einer unumschränkten Gewalt, meine weit
aussehenden Absichten, und mein heimliches Verständnis mit ihren Feinden nicht
eher wahrgenommen hätten; und da es nicht natürlich gewesen wäre, die Schuld
davon auf sich selbst zu nehmen, so schrieben sie
