 welche die Seele in diesem
feierlichen Schweigen der ganzen Natur erfahre, von dem Einschlummern der Sinne,
und dem Erwachen der innern geheimnisvollen Kräfte unsers unsterblichen Teils,
hinzu - - Dinge, welche bei den meisten Schönen, zumal in einem so anmutigen
Myrten-Gebüsche, und in der einladenden Dämmerung einer so lauen Sommer Nacht,
sehr übel angebracht gewesen wären, aber bei der gefühlvollen Psyche rührten sie
die empfindlichsten Saiten ihres Herzens. Das Gespräch, worin wir uns unvermerkt
verwickelten, entdeckte eine Übereinstimmung in unserm Geschmack und in unsern
Neigungen, welche gar bald ein eben so freundschaftliches und vertrauliches
Verständnis zwischen unsern Seelen hervorbrachte, als ob wir uns schon viele
Jahre geliebt hätten. Mir war, als ob ich alles, was sie sagte, durch eine
unmittelbare Anschauung in ihrer Seele lese; und hinwieder schien das, was ich
sagte, so abgezogen, idealisch und dichterisch, es immer sein mochte, ein bloßer
Widerhall oder die Entwicklung ihrer eigenen Empfindungen und solcher Ideen zu
sein, welche als Embryonen in ihrer Seele lagen, und nur den erwärmenden Einfluss
eines geübtern Geistes nötig hatten, um sich zu entfalten, und durch ihre naive
Schönheit die erhabensten und sinnreichsten Gedanken der Weisen zu beschämen.
Die Zeit wurde uns bei dieser Unterhaltung so kurz, dass wir kaum eine Stunde bei
einander gewesen zu sein glaubten, als uns die aufgehende Morgenröte erinnerte,
dass wir uns trennen mussten. Ich hatte durch diese Unterredung erfahren, dass
meine Geliebte von ihrer Herkunft eben so wenig wisse, als ich von der meinigen;
dass sie von ihrer Amme, in der Gegend von Korint bis ins sechste Jahr erzogen,
hernach aber von Räubern entführt, und an die Priesterin zu Delphi verkauft
worden, welche sie in allen weiblichen Künsten, und da sie eine besondere
Neigung zum Lesen an ihr bemerkt, auch in der Kunst die Dichter recht zu lesen,
habe unterrichten lassen, und sie in der Folge zu ihrer Leserin gemacht habe.
Diese Umstände waren für meine Liebe zu der jungen Psyche nicht sehr
schmeichelhaft; allein das Vergnügen der gegenwärtigen Augenblicke ließ mich gar
nicht an das Künftige denken; unbekümmert, wohin die Empfindungen, von denen ich
eingenommen war, in ihren Folgen endlich führen könnten, überließ ich mich ihnen
mit aller Gutherzigkeit der jugendlichen Unschuld; meine kleine Psyche zu sehen,
zu lieben, es ihr zu sagen, und aus ihrem schönen Munde zu hören, in ihren
seelenvollen Augen zu sehen, dass ich wieder geliebt werde. - - Das waren izt
alle Glückseligkeiten, die ich wünschte, und über welche hinaus ich keine andere
kannte. Ich hatte ihr etwas von den Eindrücken gesagt, die ihr erster Anblick
auf mein Herz gemacht hatte; und sie hatte diese Eröffnungen mit dem Geständnis
der vorzüglichen Meinung
