 Eindrücken, die eine andre auf unser Herz
gemacht hat, unterhält. Je mehr Feuer, je mehr Wahrheit, je mehr Beredsamkeit
wir in einem solchen Falle zeigen, je reizender unsre Schilderungen, je schöner
unsre Bilder, je beseelter unser Ausdruck ist, desto gewisser dürfen wir uns
versprechen, unsre Zuhörerin einzuschläfern. Diese Beobachtung sollten sich
besonders diejenigen empfohlen sein lassen, welche eine wirklich im Besitz
stehende Geliebte mit der Geschichte ihrer ehemaligen verliebten Abenteuer
unterhalten. Agaton, welcher noch weit davon entfernt war, von seiner
Einbildungn Augen verloren, da er einmal auf die Erzählung seiner ersten Liebe
gekommen war. Die Lebhaftigkeit seiner Wiedererinnerungen schien sie in
Empfindungen zu verwandeln; er bedachte nicht, dass es weniger anstößig wäre,
eine Geliebte, wie Danae, mit der ganzen Metaphysik der intellectualischen
Liebe, als mit so entusiastischen Beschreibungen der Vorzüge einer andern, und
der Empfindungen, welche sie eingeflößt, zu unterhalten. Eine Art von Mittelding
zwischen Gähnen und Seufzen, welches ihr an der Stelle, wo wir seine Erzählungen
abgebrochen haben, entfuhr, und ein gewisser Ausdruck von langer Weile, der aus
einer erzwungnen Mine von vergnügter Aufmerksamkeit hervorbrach, machte ihn
endlich seiner Unbesonnenheit gewahr werden; er stutzte einen Augenblick, er
errötete, und es fehlte wenig, dass er den Zusammenhang seiner Geschichte darüber
verloren hätte. Doch erholte er sich noch geschwinde genug wieder, um seiner
Verwirrung irgend einen zufälligen Vorwand zu gehen, und setzte seine Erzählung
fort, indem er fest bei sich beschloss, genauer auf sich selbst Acht zu gehen,
und seine Beschreibungen so sehr abzukürzen, als es nur immer möglich sein
würde; ein Vorsatz, bei welchem unsre Leser sich wenigstens eben so wohl
befinden werden, als die schöne Danae, wenn er anders fähig sein wird, sich
selbst Wort zu halten.
    Die süßen Träume, (fuhr der Held unsrer Geschichte fort) worin mein Herz
sich so gerne zu wiegen pflegte, hatten nicht würkliches genug, diesen
angenehmen Zustand meines Gemütes lange zu unterhalten. Eine zärtliche
Schwermut, welche jedoch nicht ohne eine Art von Wollust war, bemächtigte sich
meiner so stark, dass ich Mühe hatte, sie vor denjenigen zu verbergen, mit denen
ich einen Teil des Tages zubringen musste. Ich suchte die Einsamkeit; und weil
ich den Tag über, nur wenige Stunden in meiner Gewalt hatte, so fing ich wieder
an, den größten Teil der Zeit, worin andere schliefen, in den angenehmen Hainen,
die den Tempel umgehen, mit meinen Gedanken und dem Bilde meiner Unbekannten zu
durchwachen. In einer dieser Nächte begegnete es, dass ich von ungefähr in eine
Gegend des Hains verirrte, welche das Ansehen einer Wildnis, aber der
anmutigsten, die man sich nur einbilden kann, hatte. Mitten
