 die Rolle eines witzigen Kopfs so gut gespielt;
er hatte so fein und so lebhaft gescherzt, und bei Gelegenheiten die Ideen,
wovon seine Seele damals beherrscht wurde, so deutlich verraten; dass Hippias
sich nicht enthalten konnte, ihm in einem Augenblick, wo sie allein waren, seine
ganze Freude darüber auszudrücken. Ich bin erfreut, Kallias (sagte er zu ihm)
dass du, wie ich sehe, einer von den Unsrigen worden bist. Du rechtfertigest die
gute Meinung vollkommen, die ich beim ersten Anblick von dir fasste; ich sagte
immer, dass einer so feurigen Seele wie die deinige, nur würkliche Gegenstände
mangelten, um ohne Mühe von den Schimären zurückzukommen, woran du vor einigen
Wochen noch so stark zu hängen schienest. Zum Glück für den guten Agaton
rettete ihn die Darzwischenkunft einiger Personen von der Gesellschaft, mitten
in der Antwort, die er zu stottern angefangen hatte; aber aus der Unruhe, welche
diese wenige Worte des Sophisten in sein Gemüt geworfen hatten, konnte ihn
nichts retten.
    Alle Mühe, die er anstrengte, alle Zeitkürzungen, wovon er sich umgeben sah,
waren zu schwach ihn wieder aus einer Verwirrung herauszuziehen, welche sogar
durch den Anblick der schönen Danae vermehrt wurde. Er musste einen Anstoß von
Übelkeit vorschützen, um sich eine Zeitlang aus der Gesellschaft wegzubegeben,
um in einem entlegnen Kabinet den Gedanken nachzuhängen, deren auf einmal
daherstürmende Menge ihm eine Weile alles Vermögen benahm, einen von dem andern
zu unterscheiden. Endlich fasste er sich doch so weit, dass er seinem beklemmten
Herzen durch dieses oft abgebrochene Selbstgespräch Luft machen konnte: Wie? - -
Ich bin erfreut, dass du einer von den Unsrigen geworden? - - Ists möglich? Einer
von den Seinigen? - - Dem Hippias ähnlich? - - Ihm, dessen Grundsätze, dessen
Leben, dessen vermeinte Weisheit mir vor kurzem noch so viel Abscheu einflössten?
- - Und die Verwandlung ist so groß, dass sie ihm keinen Zweifel übrig lässt?
Gütige Götter! Wo ist euer Agaton? - - Ach! es ist mehr als zu gewiss, dass ich
nicht mehr ich selbst bin! - - Wie? sind mir nicht alle Gegenstände dieses
Hauses, von denen meine Seele sich ehmals mit Ekel und Grauen wegwandte,
gleichgültig oder gar angenehm worden? Diese üppigen Gemälde - - diese
schlüpfrigen Nymphen - - diese Gespräche, worin alles, was dem Menschen groß und
ehrwürdig sein soll, in ein comisches Licht gestellt wird - - diese
Verschwendung der Zeit - - diese mühsam ausgesonnenen und über die Forderung der
Natur getriebenen Ergötzungen - - Himmel! wo bin ich? An was für einem jähen
Abhang find ich mich selbst - - welch einen Abgrund unter mir - - O Danae,
Danae
