 gut halten können, dass sie die Aufrichtigkeit ihres Berichts
nicht so weit trieb, ihm das Komplot einzugestehen, worein sie sich von dem
Sophisten anfangs hatte ziehen lassen; und dessen Ausgang so weit von der Anlage
des ersten Plans entfernt gewesen war. Die zärtlichste und vertrauteste Liebe
verhindert nicht, dass man sich nicht kleine Geheimnisse vorbehalten sollte, bei
deren Entdeckung die Eigenliebe ihre Rechnung nicht finden würde. Sie begnügte
sich also ihm zu sagen, dass Hippias viel Gutes von ihm gesprochen, und sie
versichert habe, dass er ihn weit aufgeweckter und artiger finde als er vorher
gewesen, es hätte sie bedünkt, dass er mehr damit sagen wollen, als seine Worte
an sich selbst gesagt hätten; sie hätte aber eben so wenig daran gedacht ihn zum
Vertrauten ihrer Liebe zu machen, als sie Ursache hätte, eine Achtung zu
verbergen, welche man den persönlichen Verdiensten des Kallias nicht versagen
könne, im übrigen hätte sie seine Munterkeit auf die Rechnung der Zeit, welche
das Andenken seiner Unglücksfälle schwäche, und der vollkommnern Freiheit
geschrieben, die er in ihrem Hause hätte. Agaton ließ sich durch diese
Erzählung nicht nur beruhigen; sondern, wie seine Einbildungskraft gewohnt war,
ihn immer weiter zu führen, als er im Sinne hatte zu gehen, so fühlte er sich,
nachdem sie eine Zeitlang von dieser Materie gesprochen hatten, so mutig, dass er
sich vornahm den Scherzen des Hippias, wofern es demselben je einfallen sollte
über seine Freundschaft mit Danae zu scherzen, in gleichem Ton zu antworten;
eine Entschließung, welche (ob er es gleich nicht gewahr wurde) in der Tat mehr
Unverschämtheit voraussetzte, als selbst ein langwieriger Fortgang auf den
Abwegen, auf die er verirrt war, einem Agaton jemals geben konnte.
                                Drittes Kapitel
             Konvulsivische Bewegungen der wiederauflebenden Tugend
Wenige Tage waren seit dem Besuch des Hippias verflossen; als ein Fest, welches
er alle Jahre seinen Freunden zu geben pflegte, Gelegenheit machte, der schönen
Danae und ihrem Freunde eine Einladung zuzusenden. Weil sie keinen guten Vorwand
zu geben hatten, ihr Ausbleiben zu entschuldigen, so erschienen sie auf den
bestimmten Tag, und Agaton brachte eine Lebhaftigkeit mit, welche ihm selbst
Hoffnung machte, dass er sich so gut halten würde, als es die Anfälle, die er von
der Schalkhaftigkeit des Sophisten erwartete, nur immer erfordern könnten.
Hippias hatte nichts vergessen, was die Pracht seines Fests vermehren konnte;
und nach demjenigen, was im zweiten Buch von den Grundsätzen, der Lebensart und
den Reichtümern dieses Mannes gemeldet worden, können unsre Leser sich so viel
davon einbilden als sie wollen, ohne zu besorgen, dass wir sie durch überflüssige
Beschreibungen von den wichtigern Gegenständen, die wir vor uns haben, aufhalten
würden.
    Agaton hatte über der Tafel
