 Augen gewischt und den Mund in Falten gelegt hatte; in der Tat, schöne
Freundin, ich lache zur Unzeit; die Sache ist ernsthafter als ich beim ersten
Anblick dachte, und ich besorge nun in ganzem Ernste, dass Kallias, so sehr er
dich anzubeten scheint, nicht Liebe genug haben möchte, die deinige zu erwidern.
Ich erlasse dem Hippias diese Sorge, sagte Danae mit einem spöttischen Lächeln,
welches ihr sehr reizend ließ; das soll meine Sorge sein; und mich deucht,
Hippias, welcher ein so großer Meister ist, von den Wirkungen auf die Ursachen
zu schließen, sollte ganz ruhig darüber sein können, dass sich Danae nicht wie
ein vierzehnjähriges Mädchen fangen lässt. Die Götter der Liebe und Freude
verhüten, dass meine Worte einen übelweissagenden Sinn in sich fassen, erwiderte
Hippias! Du liebest, schöne Danae; du wirst geliebt; kein würdigers Paar
glücklich zu sein, kein geschickteres sich glücklich zu machen, hat Amor nie
vereiniget. Erschöpfet alles, was die Liebe reizendes hat! Trinket immer neue
Entzückungen aus ihrem nektarischen Becher; und möge die neidenswerte
Bezauberung so lang als euer Leben dauern!
 
                                Zweites Kapitel
                  Eine Probe von den Talenten eines Liebhabers
In einem so freundschaftlichen und schwärmerischen Ton stimmte der gefällige
Sophist seine Sprache um, als Agaton hereintrat, und ihnen einen Spaziergang in
die Gärten vorschlug, worin er sich das Vergnügen machen wollte, sie mit einer
in geheim veranstalteten Ergötzung zu überraschen. Man ließ sich den Vorschlag
gefallen, und nachdem Hippias eine Reihe von neuen Gemälden, womit die Galerie
vermehrt worden war, gesehen hatte, begab man sich in den Garten, in welchem,
nach Persischem Geschmack, große Blumenstücke, Spaziergänge von hohen Bäumen,
kleine Weiher, künstliche Wildnisse, Lauben und Grotten in anmutiger Unordnung
unter einander geworfen schienen. Das Gespräch ward izt wieder gleichgültig, und
Hippias wusste es so zu lenken, dass Agaton unvermerkt veranlasst wurde, die neue
Wendung, welche seine Einbildungskraft bekommen hatte, auf hundertfältige Art zu
verraten. Inzwischen neigte sich die Sonne, als sie beim Eintritt in einen
kleinen Wald von Myrten- und Citronenbäumen, an welchen die Kunst keine Hand
angelegt zu haben schien, von einem versteckten Konzert, welches alle Arten von
Singvögel nachahmte, empfangen wurden. Aus jedem Zweig, aus jedem Blatte schien
eine besondere Stimme hervorzugehen; so volltönig war diese Musik, in welcher
die Nachahmung der kunstlosen Natur in der scheinbaren Unregelmässigkeit
phantasierender Töne, die lieblichste Harmonie hervorbrachte, die man jemals
gehört hatte. Die Dämmerung des heitersten Abends, und die eigne Anmut des Orts
vereinigten sich damit, um diesem Lustain die Gestalt der Bezauberung zu geben.
Danae, welche seit wenigen Wochen eine ganz neue Empfindlichkeit für das Schöne
der Natur und die Vergnügungen der
