 gerechtfertiget haben. Es ist
leicht vorauszusehen, wie wenig Gnade sie vor dem ehrwürdigen und glücklichen
Teil unsrer Leserinnen finden werde, welche sich bereden (und vermutlich Ursache
dazu haben) dass sie in ähnlichen Umständen sich ganz anders als Danae betragen
haben würden. Auch sind wir weit davon entfernt, diese allzuzärtliche Nymphe
entschuldigen zu wollen, so scheinbar auch immer die Liebe ihre Vergehungen zu
bemänteln weiß. Indessen bitten wir doch die vorbelobten Lukretien um Erlaubnis,
dieses Kapitel mit einer kleinen Nutzanwendung, auf die sie sich vielleicht
nicht gefasst gemacht haben, schließen zu dürfen. Diese Damen (mit aller
Ehrfurcht die wir ihnen schuldig sind, sei es gesagt) würden sich sehr betrügen,
wenn sie glaubten, dass wir die Schwachheiten einer so liebenswürdigen Kreatur,
als die schöne Danae ist, nur darum verraten hätten, damit sie Gelegenheit
bekämen, ihre Eigenliebe daran zu kitzeln. Wir sind in der Tat nicht so sehr
Neulinge in der Welt, dass wir uns überreden lassen sollten, dass eine jede,
welche sich über das Betragen unsrer Danae ärgern wird, an ihrer Stelle weiser
gewesen wäre. Wir wissen sehr wohl, dass nicht alles, was das Gepräge, der Tugend
führt, wirklich echte und vollhaltige Tugend ist; und dass sechszig Jahre, oder
eine Figur, die einen Satyren entwaffnen könnte, kein oder sehr wenig Recht
geben, sich viel auf eine Tugend zu gut zu tun, welche vielleicht niemand jemals
versucht gewesen ist, auf die Probe zu stellen. Wir zweifeln mit gutem Grunde
sehr daran, dass diejenigen, welche von einer Danae am unbarmherzigsten urteilen,
an ihrem Platz einem viel weniger gefährlichen Versucher als Agaton war, die
Augen auskratzen würden: Und wenn sie es auch täten, so würden wir vielleicht
anstehen, ihrer Tugend beizumessen, was eben sowohl die mechanische Wirkung
unreizbarer Sinnen, und eines unzärtlichen Herzens, hätte gewesen sein können.
Unser Augenmerk ist bloß auf euch gerichtet, ihr liebreizenden Geschöpfe, denen
die Natur die schönste ihrer Gaben, die Gabe zu gefallen, geschenkt - - ihr,
welche sie bestimmt hat, uns glücklich zu machen; aber, welche eine einzige
kleine Unvorsichtigkeit in Erfüllung dieser schönen Bestimmung so leicht in
Gefahr setzen kann, durch die schätzbarste eurer Eigenschaften, durch das was
die Anlage zu jeder Tugend ist, durch die Zärtlichkeit eures Herzens selbst,
unglücklich zu werden: Euch allein wünschten wir überreden zu können, wie
gefährlich jene Einbildung ist, womit euch das Bewusstsein eurer Unschuld
schmeichelt, dass es allezeit in eurer Macht stehe, der Liebe und ihren
Forderungen Grenzen zu setzen. Möchten die Unsterblichen (wenn anders, wie wir
hoffen, die Unschuld und die Güte des Herzens himmlische Beschützer hat,)
möchten sie über die eurige wachen! Möchten sie
