 so hässlich, wie er ihn wirklich findet,
abzumalen; die Wirkungen so anzugeben, wie sie vermöge der unveränderlichen
Gesetze der Natur aus ihren Ursachen herfliessen; und wenn er seiner Pflicht ein
völliges Genügen getan hat, sich gefallen zu lassen, dass man seinen Helden am
Ende um wenig oder nichts schätzbarer findet, als der schlechteste unter seinen
Lesern sich ungefähr selbst zu schätzen pflegt.
    Vielleicht ist kein unfehlbarers Mittel mit dem wenigsten Auf wand von
Genie, Wissenschaft und Erfahrenheit ein gepriesener Schriftsteller zu werden,
als wenn man sich damit abgibt, Menschen (denn Menschen sollen es doch sein)
ohne Leidenschaften, ohne Schwachheit, ohne allen Mangel und Gebrechen, durch
etliche Bände voll wunderreicher Abenteure, in der einförmigsten Gleichheit mit
sich selbst, herumzuführen. Eh ihr es euch verseht, ist ein Buch fertig, das
durch den erbaulichen Ton einer strengen Sittenlehre, durch blendende Sentenzen,
durch Charaktere und Handlungen, die eben so viele Muster sind, den Beifall
aller der gutherzigen Leute überraschet, welche jedes Buch, das die Tugend
anpreist, vortrefflich finden. Und was für einen Beifall kann sich ein solches
Werk erst alsdenn versprechen, wenn der Verfasser die Kunst oder die natürliche
Gabe besitzt, seine Schreibart auf den Ton der Begeisterung zu stimmen, und,
verliebt in die schönen Geschöpfe seiner erhitzen Einbildungskraft, die Meinung
von sich zu erwecken, dass ers in die Tugend selber sei. Umsonst mag dann ein
verdächtiger Kunstrichter sich heiser schreien, dass ein solches Werk eben so
wenig für die Talente seines Urhebers beweise, als es der Welt Nutzen schaffe;
umsonst mag er vorstellen, wie leicht es sei, die Definitionen eines Auszugs der
Sittenlehre in Personen, und die Maximen des Epictets in Handlungen zu
verwandeln; umsonst mag er beweisen, dass die unfruchtbare Bewunderung einer
schimärischen Vollkommenheit, welche man nachzuahmen eben so wenig wahren
Vorsatz als Vermögen hat, das äußerste sei, was diese wackere Leute von ihren
hochfliegenden Bemühungen zum Besten einer ungelehrigen Welt erwarten können:
Der weisere Tadler heißt ihnen ein Zoilus, und hat von Glück zu sagen, wenn das
Urteil das er von einem so moralischen Werke des Witzes fällt, nicht auf seinen
eignen sittlichen Charakter zurückprallt, und die gesundere Beschaffenheit
seines Gehirns nicht zu einem Beweise seines schlimmen Herzens gemacht wird. Und
wie sollte es auch anders sein können? Unsre Eitelkeit ist zusehr dabei
interessiert, als dass wir uns derjenigen nicht annehmen sollten, welche unsre
Natur, wiewohl eignen Gewalts, zu einer so großen Hoheit und Würdigkeit
erhalten. Es schmeichelt unserm Stolze, der sich ungern durch so viele Zeichen
von Vorzügen des Stands, des Ansehens, der Macht und des äußerlichen Glanzes
unter andre erniedriget sieht, die Mittel (wenigstens so lange das angenehme
Blendwerk daurt) in seiner Gewalt
