 weniger daran als
dem Verleger; denn dieser hat sich, um die Wahrheit zu gestehen, darauf
verlassen, dass Don Sylvio ein lustiges Buch sei, und er würde sich schwerlich
damit abgegeben haben, ein paar tausend Kopien von den Einfällen des Hrn. Don
Ramiro von Z** auf seine Unkosten machen zu lassen, wenn man ihn nicht
versichert hätte, dass die Medici in hypochondrischen und Milz-Krankheiten, in
allen Arten von Vaperus, und hysterischen Zufällen, und sogar im Podagra, ihren
Patienten künftig den Don Sylvio statt einer Tisanne einzunehmen verschreiben
würden.
R*** am N. den
2. Octob. 1763
                                                                  P.F.X.D.R.G.N.
                                                                      und S.S.D.
 
                                  Erster Teil
                                   Erstes Buch
                                 Erstes Kapitel
                         Charakter einer Art von Tanten
In einem alten baufälligen Schloss der Spanischen Provinz Valencia lebte vor
einigen Jahren ein Frauenzimmer von Stande, die zu derjenigen Zeit, da sie in
der folgenden Geschichte ihre Rolle spielte, bereits sechzig Jahre unter dem
Namen Donna Mencia von Rosalva sehr wenig Aufsehens in der Welt gemacht hatte.
    Diese Dame hatte die Hoffnung, sich durch ihre persönliche Annehmlichkeiten
zu unterscheiden, schon seit dem Successions- Krieg aufgegeben, in dessen Zeiten
sie zwar jung und nicht ungeneigt gewesen war, einen würdigen Liebhaber
glücklich zu machen, aber immer so empfindliche Kränkungen von der
Kaltsinnigkeit der Mannspersonen erfahren hatte, dass sie mehr als einmal in
Versuchung geraten war, in der Abgeschiedenheit einer Kloster-Celle ein Herz,
dessen die Welt sich so unwürdig bezeugte, dem Himmel aufzuopfern. Allein, ihre
Klugheit ließ sie jedesmal bemerken, dass dieses Mittel, wie alle diejenigen, so
der Unmut einzugehen pflegt, ihre Absicht nur sehr unvollkommen erreichen, und
in der Tat die Undankbarkeit der Welt nur an ihr selbst bestrafen würden.
    Sie besann sich also glücklicher Weise eines andern, welches sie nicht so
viel kostete, und weit geschickter war die einzige Absicht zu befördern, die bei
so bewandten Umständen ihrer würdig zu sein schien. Sie wurde eine Spröde, und
nahm sich vor, ihre beleidigten Reizungen an allen den Unglückseligen zu rächen,
welche sie als Wolken ansah, die den Glanz derselben aufgefangen und unkräftig
gemacht hatten. Sie erklärte sich öffentlich für eine abgesagte Feindin der
Schönheit und Liebe, und warf sich hingegen zur Beschützerin aller dieser
ehrwürdigen Vestalen auf, denen die Natur die Gabe der transcendentalen
Keuschheit mitgeteilt hat, und deren bloßer Anblick fähig wären, den mutigsten
Faunen zu entwaffnen.
    Donna Mencia ließ es nicht bei der bloßen Freundschaft bewenden, die der
nähere Umgang, die Sympatie und die Ähnlichkeit ihres Schicksals zwischen ihr
und einigen Frauenzimmern von dieser Klasse stiftete, mit denen sie zu Valencia,
wo sie erzogen worden war, nach und nach Bekanntschaft gemacht
