. Sie hatte weder blonde Haare wie
Ceres, noch braune wie Venus, noch goldfarbe wie die Schöne mit den goldnen
Haaren, die ihrige waren feuerfarbig und dabei von Natur so geradlinicht und
kurz, dass sie die Kunst und Geduld einer Cypassis2 zu Schanden gemacht hätten.
Ihre Augen waren hellgrau, Stirne und Wangen olivenfarbig, und wo es sich
gehörte, mit braunrot getuscht, ihr Maul, (wenn es uns für diesmal erlaubt ist
dieses Wort zu gebrauchen) spielte ein wenig auf meergrün, und verlor durch die
Schwärze ihrer großen ungleich gewachsenen Zähne nicht das mindeste von seiner
Anmut; und ihre Arme und Hände hatten eine so natürliche Leder-Farbe, dass sie
die Ausgabe völlig ersparen konnte, die andre Frauenzimmer auf Hunds-lederne
Handschuhe wenden müssen. Alles dieses nun, welches ohne Zweifel eine Art von
Figuren ausmachte, die man selten anderswo als auf Kaminen zu sehen bekommt, war
durch einen Putz erhöht, der von dem Geschmack der schönen Mergelina eine so
gute Meinung erweckte, dass man sie nur anzusehen brauchte, um die ungemeine
Harmonie des Leibes und der Seelen in ihr zu bewundern, die nach den Grundsätzen
des Pythagoras die höchste Schönheit ausmacht. Sie trug einen Rock von
hochgelbem Atlas mit Silber gestickt, ein Korset von grünem Taft, himmelblaue
Bänder, eine Feuerfarbe Feder, carmesinrote Schuh mit Gold, und rosenfarbe
Strümpfe mit silbernen Zwickeln. Diese liebenswürdige Person hatte mit Hilfe des
höflichen Don Sylvio kaum einen kleinen Saal erreicht, in welchem Donna Mencia
ihre Besuche anzunehmen pflegte, als ihr erstes war, zu einem Spiegel zu
watscheln, um, wie sie sagte, die Unordnung zu verbessern, so die Reise in ihrem
Anzug gemacht hatte. Man setzte sich hierauf, und während dass die Dame Beatrix
mit einigen Erfrischungen erwartet wurde, schien jede Person in dieser kleinen
Gesellschaft verlegen zu sein, was sie mit sich selbst und mit den andern
anfangen sollte. Donna Mergelina spielte mit ihrem Fächer, oder gaffte in den
Spiegel, dem sie sich gegen über gesetzt hatte, Herr Rodrigo sah bald die
jugendliche Mencia bald seine Beine an, Don Sylvio machte große Augen und schien
zerstreut, und die gute Tante hatte immer den Mund halb offen; ohne dass sie
wusste, was sie sagen wollte. Herr Rodrigo war eben im Begriff zu bemerken, dass
es schön Wetter sei, als die aufwartsame Beatrix herein trat, um die
Konversation mit einem großen Korb voll frischer, trockner und eingemachter
Früchte zu beleben. Jetzt wurde der Gesellschaft auf einmal leicht ums Herz.
Donna Mergelina hatte Anlass ihre gute Erziehung sehen zu lassen, indem sie mit
vielen Komplimenten und Verneigungen die Ungelegenheit bedaurte, die man sich
ihrentwegen mache; Komplimente und Grimassen, die von der höflichen Donna Mencia
mit eben
