 keine bequemere Person auswählen können als Donna
Mergelina.
    Wir wollen einen Versuch wagen, ob wir die Einbildungskraft unsrer Leser in
den Stand setzen können, sich einige Vorstellung von ihr zu machen.
    Sie war vollkommen zwei Ellen und vier Daumen hoch, von einer Schulter zur
andern bei nahe eben so breit, und überhaupt so regelmäßig gebaut, dass ihr Kopf
ungefähr den vierten Teil ihrer Höhe ausmachte, Hals, Brust und Unterleib aber
sich so unmerklich in einander verloren, dass man unmöglich sehen konnte, wo
eines anfing und das andere aufhörte. Ungeachtet der außerordentlichen Länge
ihres Kinns stellte ihr Gesicht doch ein ziemlich regelmässiges Viereck vor, denn
ihre Stirne war gerade um so viel zu niedrig als ihr Kinn zu lang war. Ihre
Augen waren so rund, und standen so weit aus dem Kopf hervor, dass das Beiwort,
welches Homer der Juno zu geben pflegt, ausdrücklich für Donna Mergelina gemacht
zu sein schien. Ihr Mund war von einer so geräumigen Weite, dass man den
Schaumlöffel des Prinzen Tanzai, ohne die mindeste Gefahr ihrer breiten Zähne
darin hätte hin und wieder schieben können, und wenn ihre Lippen jemals von
einem Poeten zum Sitz der Gratien gemacht worden sind, so müssen wir gestehen,
dass es ein Kanape war, auf dem diese Göttinnen Platz genug gehabt hätten, sich
im Notfall noch mit etlichen jungen Liebes-Göttern herum zu tummeln. Ihre Nase
war in der Tat um etwas zu klein, denn man hatte Mühe zwischen ihren dicken und
hangenden Backen etwas erhabenes zu entdecken, welches man endlich an den
aufgestülpten Naslöchern für eine Nase gelten lassen musste; allein das war auch
das einzige an ihrer ganzen Person, woran sich die Natur zu karg bewiesen hatte.
Zum Ersatz hatte sie hingegen einen Rücken, der so hoch war, als sie sich nur
wünschen konnte, ein paar hübsche lange Ohren, und die Hände und Füße so breit,
als es nötig war, damit sie im Wasser und auf dem Trocknen zugleich leben
könnte. Allein, was selbst nach ihrer eigenen Absicht alle diese Schönheiten
verdunkeln sollte, war ein Busen, aber ein Busen, wie man, zumal in Spanien,
wenige sieht; in der Tat ziemlich weiß, aber von einem so unmässigen Umfang, dass
er für eine Statue der Venus Kallipygos sehr füglich das Modell zu einem ganz
andern Teile des Leibes hätte abgehen können. Sie schien sich auf diese Art von
Schönheit so viel einzubilden, dass sie dieselbe mit einer Freigebigkeit
auslegte, welche von strengen Sittenlehrern vielleicht ärgerlich hätte genennt
werden können, wenn sie weniger ekelhaft gewesen wäre.
    Was die Farben betrifft, so die Natur gebraucht hatte, ein solches
Meisterstück auszuschmücken, so waren sie allerdings so wunderbar gemischt, dass
sie einem Vandyk zu schaffen gegeben hätten
