 gleich bei
Durchlesung des Manuscripts nicht das mindeste gefunden hatte, das mir die
Absichten des Verfassers hätte verdächtig machen können. Weil ich nun als der
erbetene Herausgeber dieses Buches, den sichersten Weg gehen, und gewiss wissen
wollte, woran ich wäre, so communicierte ich das Manuskript einem angesehen
Geistlichen, welcher dermalen Dechant zu *** ist und bei jedermann den Namen
eines der gelehrtesten und frömmsten Priestern in unsrer ganzen Revier hat, und
bat ihn, er möchte mir seine Gedanken davon offenherzig entdecken, indem ich
sehr ungleiche Urteile darüber hätte fällen hören. Dieser rechtschaffene Mann
schrieb mir zurück; »er hätte den Don Sylvio nicht ohne Vergnügen durchlesen, ob
er gleich gestehe, dass ohne einen besonderen Beruf diese Art von Lectur einem
Mann von seinem Stande nicht sonderlich anständig sei; er vermute sehr, dass der
Verfasser kaum eine andre Absicht gehabt habe als sich und seinen Lesern eine
Kurzweil zu machen, eine Absicht, die an sich selbst und in ihrer gehörigen Masse
und Einschränkung nicht verwerflich sei; die Torheiten der Menschen, ihre
Vorurteile und irrige Meinungen, und die Ausschweifungen ihrer Einbildungskraft
und ihrer Leidenschaften zu verspotten, sei nicht nur erlaubt sondern so gar
nützlich; und wenn in einem Buch, das mehr zur Belustigung als zum Unterricht
geschrieben sei, und worin guter Humor und scherzende Satyre herrsche, der
scherzhaft Ton selbst über ernstaftere Gegenstände ausgedehnt werde, so sei
auch dieses solange die Schranken der Anständigkeit nicht überschritten werden,
ganz wohl zu dulden, indem die Wahrheit ein jedes Licht vertragen könne, und das
Lächerliche niemals an der Wahrheit selbst hafte, sondern vielmehr bloß dazu
diene, die falschen Zusätze, womit sie in den Köpfen der Menschen vermengt
werde, von ihr abzuschneiden; und wenn auch, im übrigen, die Absicht des
Verfassers gewesen wäre in der Person des Don Sylvio die Schwärmerei, und in
Pedrillo den Aberglauben und die Leichtgläubigkeit des Pöbels, und überhaupt
dasjenige, das Juvenal veteres avias nenne, in ein lächerliches Licht zu
stellen, so würde er der Religion dadurch vielmehr einen Dienst als den
geringsten Abbruch getan haben; und ihm eine solche Freiheit übel auszudeuten,
würde um so viel unbilliger sein, da die heiligen Väter selbst sich meistens
keiner andern Waffen als des lachenden Spottes und der beissenden Ironie gegen
den herrschenden Aberglauben ihrer Zeiten bedient hätten etc. etc.«
    Dieses gelinde Urteil von einem Mann, dessen Aussprüche bei mir eine
entscheidende Autorität haben, beruhigte mich wieder vollkommen, und ich gesteh
es, dass ich ihm recht dafür verbunden bin, dass ich beim Don Sylvio wieder
unbesorgt und nach Herzens Lust lachen darf.
    Ich überlasse es nun den Lesern, was sie tun wollen, ob sie dabei lachen,
lächeln, sauer sehen, schmälen oder weinen wollen. Mir liegt
