 gegeben,
die vielleicht nicht ohne Wirkung geblieben wären, wenn die Reizungen der jungen
Maritorne diesen plumpen Liebhaber nicht gegen alle Vorzüge eines hochadelichen
Gerippes unempfindlich gemacht hätten. Was auch an dieser Anecdote sein mag, so
ist gewiss, dass sie in diesem Stück unglücklich genug war, um genötigt zu sein,
in den unzulänglichen Täuschungen einer aufgereizten Einbildungs-Kraft den
Schatten eines Vergnügens zu suchen, dessen Größe ihre Unerfahrenheit nach der
Wut ihrer Begierden abmass. Der Abscheu, den sie vor den Erzählungen eines Bocaz
und selbst vor den unschuldigsten Scherzen eines Lope de Vega bezeugte, hinderte
nicht, dass die Gespräche, die irgend ein moderner Sotades der berühmten Aloysia
Sigea aufgeschoben, das Buch waren, welches allezeit unter ihrem Hauptküssen
lag; eine Gewohnheit, die sie vielleicht mit dem Exempel des heiligen
Chrysostomus zu rechtfertigen glaubte, welcher den eben so sotadischen Komödien
des Aristophanes die nämliche Ehre widerfahren ließ.
    So unanständig es vielleicht scheinen möchte, dass wir durch Aufdeckung
dieser Heimlichkeiten die Vorteile vernichtet haben, welche die Welt von dem
erbaulichen Beispiel der keuschen Donna Mencia hätte ziehen können, so nötig war
es, die Pflichten der historischen Treue in diesem Stücke zu erfüllen, da eine
übertriebene Diskretion die Wahrhaftigkeit unsrer Geschichte, in Absicht dessen,
was wir nun zu melden haben, nicht wenig hätte verdächtig machen können.
    Um also unsre Leser nicht länger aufzuhalten, so war es nur mehr als zu
gewiss, dass weder ihre Tugend, noch der Stolz auf ihre Geburt noch sechzig
Frühlinge, die sie bereits erlebt hatte, ihr zärtliches Herz gegen die Liebe zu
schützen vermochten, die ein gewisser Procurator von Xelva so glücklich war ihr
einzuflößen.
    Sie hatte ihn bei einer bejahrten Freundin kennen gelernt, bei der er in
Geschäften öftere Besuche ablegte, und die Nachrichten, die sie von seinen
Umständen einzog, schienen dem Anschlag überaus günstig zu sein, den sie beim
ersten Anblick auf seine Person gemacht hatte.
    Dieser würdige Mann nennte sich Rodrigo Sanchez, und war, sein Talent für
die Rabulisterei ausgenommen, durch seine körperliche Vorzüge merkwürdiger als
durch die Annehmlichkeiten seines Geistes. Er war ein untersetzter Mann von
mittler Größe, breit geschuldert, krause Haare, kleine funkelnde Augen, die von
großen schwarzen Augbrauen, wie von einem dunkeln Gebüsche, beschattet wurden,
eine große Habichts-Nase und ein paar Beine, die im Notfall stark genug gewesen
wären, einen Atlas zu unterstützen.
    Wir können nicht für gewiss sagen, ob die Figuren von dieser Art den Spröden
von Profession überhaupt so gefährlich sind als man bemerkt haben will; gewiss
ist, dass Herr Rodrigo in den Augen der Donna Mencia ein Adonis war, und die Ehre
hatte beim ersten Anblick über die Abneigung zu siegen, so sie jederzeit gegen
den Ehestand hatte spüren
