 um etliche Grade zu mildern; ja die Schönheit und
feine Gestalt des Don Eugenio besänftigte sie endlich so sehr, dass die beiden
Damen, die sich auf den ersten Blick, den sie ihnen verlieh, gegen das andere
Ende des Saals zurück gezogen hatten, wieder Mut fassten, und sich allmählich dem
Sopha, wo Donna Mencia auf Bitten des Don Eugenio sich nieder gelassen,
näherten, doch nicht ohne die Vorsichtigkeit, dass sie ihre Plätze nahe genug bei
der Türe nahmen, um im Notfall sich durch eine schleunige Flucht retten zu
können. Donna Mencia eröffnete nach einer kurzen Vorrede die Ursache, warum sie
da sei, und bezeugte keine kleine Verwunderung über dasjenige, was die Ursache
sein könne, dass sie ihren Neffen zu Lirias finde. Don Eugenio antwortete ihr,
dass er dieses Vergnügen einem bloßen Zufall schuldig sei, und erzählte ihr
hierauf, wiewohl mit Auslassung einiger Neben-Umstände, die Begebenheit, wo ihm
der tapfere Beistand des Don Sylvio so nötig gewesen war. Donna Mencia bezeugte
eine so große Zufriedenheit darüber, dass sich ihr Neffe bei einer so schönen
Gelegenheit des ritterlichen Blutes, das in seinen Adern floss, würdig bewiesen;
dass die junge Hyacinthe sich aufgemuntert fand, ihren Anteil zum Lob unsers
Helden beizutragen.
    Die erhabene Mencia ließ sich jetzt zum erstenmal herab, diese kleinen
Geschöpfe mit einem zerstreuten Blick anzusehen. Wir haben ehemals schon
bemerkt, dass Hyacinthe weder die Größe, noch die Regelmäßigkeit der Züge, noch
die vollkommene Feinheit der Gesichts-Farbe hatte, die zu einem gerechten
Anspruch an das Prädicat der Schönheit gehören; die ungemeine Anmut ihrer
Bildung und ihrer ganzen Person war alles, was sie beim ersten Anblick gefällig
machte; und da Donna Mencia, was die Annehmlichkeit betrifft, vollkommen mit
sich selbst zufrieden war, und über das noch den Vorzug einer majestätischen
Größe vor ihr hatte: so machte dieses alles zusammen genommen, dass Hyacinthe
Gnade vor ihren Augen fand. Nach und nach beehrte sie dieselbige so gar mit
einer Art von Aufmerksamkeit, und machte nur eben die Anmerkung, dass sie noch
niemand gesehen habe, der sie so lebhaft an ihre verstorbene Schwägerin, Donna
Isidora erinnere, wie dieses junge Frauenzimmer: als Don Sylvio, (der sich nicht
getraut hatte ihr gleich unter die Augen zu kommen) mit Don Gabriel in das
Zimmer trat. Das Lob, welches er kurz zuvor erhalten hatte, die gute Art, womit
er sie begrüßte, und vielleicht auch die Figur seines Begleiters, die eine von
denen war, womit man wenig Mühe hatte sich ein günstiges Auge von ihr zu
erwerben, taten eine so gute Wirkung, dass Don Sylvio besser empfangen wurde, als
er gehofft hatte. Don Gabriel kannte den Charakter der Dame von langem her
