 die sonst genau auf ihn Acht
gab, damals vermutlich noch in angenehmen Morgen-Träumen begriffen war, so
schlich er sich ganz leise aus einem Zimmerchen, so man ihm unter dem Dach
eingeräumt hatte, herab, und suchte seinen Herrn auf.
    Don Sylvio hatte einen guten Teil der Nacht mit Betrachtungen zugebracht,
welche den Feen nicht sehr vorteilhaft waren. Die Wahrheit zu sagen, seit dem
kleinen Betrug, den ihm Don Gabriel mit dem Märchen vom Prinzen Biribinker
gespielt hatte, hatte sein Glaube an diese Damen und ihre Geschichtschreiber
keine geringe Erschütterung erlitten. Die Geschichte des Herrn Biribinkers kam
ihm jetzt selbst so abgeschmackt vor, dass er nicht begreifen konnte, wie es
zugegangen, dass er den Betrug nicht augenblicklich gemerkt habe. Er fand
endlich, dass die wahre Ursache davon schwerlich eine andere sein könne, als die
Ähnlichkeit dieses Märchens mit den übrigen, und das Vorurteil, so er einmal für
die Wahrheit der letztern gefasst hatte. Er konnte sich selbst nicht länger
verbergen, dass, wenn auch die Ungereimteiten im Biribinker um etwas weiter
getrieben wären als in andern Märchen, dennoch die Analogie zwischen dem ersten
und den letztern groß genug sei, um ihm, zumal in Betrachtung alles dessen, was
Don Gabriel und Don Eugenio dagegen eingewandt hatten, alle Märchen ohne Ausnahm
verdächtig zu machen. Unter dergleichen Betrachtungen war er endlich
eingeschlafen, und nach einem Schlummer von drei Stunden, in welchem er an einem
fort von Donna Felicia geträumt hatte, war er wieder aufgestanden, um bei einem
einsamen Spaziergang in der Kühle des Morgens seine Betrachtungen über eine für
ihn so wichtige Sache mit desto besserm Erfolg fortsetzen zu können.
    Es währete eine geraume Zeit, bis ihn Pedrillo fand; denn er hatte sich,
indessen dass sich dieser ankleidete, und herunter stieg, in den Alleen des
Labyrints vertieft, welches wegen seiner Größe und der Mannigfaltigkeit der
Gänge, Sommerlauben, kleinen Lustwäldchen, Kascaden, griechischen Tempeln,
Pagoden, Bildsäulen und andern Dingen, die geschickt waren ihm ein romantisches
Ansehen zu geben, den angenehmsten Ort von der Welt ausmachte. Unser Held, der
nicht länger zweifeln konnte, dass alles dieses, so sehr es einer bezauberten
Gegend gleich sah, ein Werk der Kunst sei, die, von einer dichterischen
Imagination geleitet, aus der geschickten Verbindung der verschiedenen
Schönheiten der Natur und der nachahmenden Künste ein so angenehmes Ganzes
hervor zu bringen gewusst habe; kam beim ersten Eintritt in diesen anmutsvollen
Hain auf den Gedanken: dass die Phantasie vielleicht die einzige und wahre Mutter
des Wunderbaren sei, welches er bisher, aus Unerfahrenheit, für einen Teil der
Natur selbst gehalten hatte. Er hatte diesem Gedanken schon eine ziemliche Weile
mit dem Vergnügen, womit lebhafte Geister eine neue Entdeckung zu verfolgen
pflegen,
