 vermutlich noch, dass die angenehme Laura schon damals, da
sie ihm in Gestalt einer Sylphide zum erstenmal erschien, sein Herz mit sich
hinweg nahm, ohne dass er selbst begreifen konnte, wie es zuging. Man muss
gestehen, für einen Liebhaber, der sich in der ersten Wärme einer angehenden
Leidenschaft befindet, war die Zerstreuung ziemlich stark, wozu ihn noch an dem
nämlichen Abend die Dame Teresilla verleitete: Allein in diesem Stück war
Pedrillo ein anderer Biribinker, wenn er gleich seiner ersten Liebste nicht
öfter untreu wurde, als er Anlass dazu hatte, so schien es doch als ob jede neue
Untreue seine Liebe nur desto stärker anfache, und er brauchte die wahre
Beherrscherin seines Herzens nur wieder zu sehen, um auf einmal zu vergessen,
dass ihm eine andere hätte gefallen können. Bei so bewandten Umständen wird sich
niemand wundern, dass es wenig Mühe kostete, ihn einen oder zween Tage von seinem
Herrn entfernt zu halten. Laura, welche diesen Befehl von ihrer Gebieterin
hatte, fand die Vollziehung desselben desto leichter, da Pedrillo von dem
Vergnügen sie zu sehen und mit ihr zu schäkern, (wie er es nannte) so berauscht
war, dass er vielleicht in einer noch längeren Zeit nicht an Don Sylvio gedacht
hätte, wenn die Sylphide nicht selbst die erste gewesen wäre, ihn daran zu
erinnern.
    Die Zärtliche Neigung, welche Pedrillo so glücklich gewesen war, dieser
jungen Nymphe einzuflößen, bewog sie, die Gelegenheiten nicht auszuweichen, wo
sie mit ihm allein sein konnte, ohne Aufsehen zu machen oder vermisst zu werden,
und so geschah es, dass sie an dem andern Tag seit seiner Ankunft, zu eben der
Zeit da die Herrschaft in einem Saale des Garten-Pavillions sich mit Gesprächen
unterhielt, und der größte Teil des Hauses des nachmittäglichen Schlummers
pflegte, beide, ohne sich bestellt zu haben, und also von ungefähr oder durch
eine Wirkung der magnetischen Kräfte, deren wir an einem andern Orte Erwähnung
getan, in einer dicht verwachsenen Laube des Labyrints zusammen kamen. Die
beiderseitige Absicht war, die Sieste hier zu machen; da sie aber einander eben
so unverhofft antrafen als Dido und der trojanische Held in einer gewissen
Höhle, so war nichts natürlichers, als dass sie, an statt zu schlafen, sich
zusammen setzten, und mit einander schwatzten. Die Hitze tut nicht auf alle
Leute die nämliche Wirkung, und wenn gleich die Naturkündiger beweisen, dass ein
großer Grad derselben die Lebensgeister zerstreue, und die Fibern abspanne, so
war doch Pedrillo noch niemal in einer Verfassung gewesen, die ihn zu einem
gefährlichern Liebhaber hätte machen können als damals. Laura wurde es gar bald
gewahr, und da sie, wider die Gewohnheit der spanischen Kammermädchen, weder
galant war, noch
