 um ihm so
viel Gutes zuzutrauen, als ihm die Fee nachgerühmt hatte. Indessen, dass er
aufstieg, wollte ihm Cristalline noch eine Probe geben, dass sie nicht zu viel
von ihrer Macht gesagt hatte. Sie schlug mit ihrem Stab dreimal in die Luft, und
siehe! auf einmal erschienen alle zehen tausend Sylphen, welche ihr der Stab des
Padmanaba untertänig machte; der Hof, die Treppe, die Galerie, und sogar die
Dächer und die Luft wimmelte von geflügelten Jünglingen, wovon der geringste den
vaticanischen Apollo an Schönheit übertraf. Bei allen Feen, rief Biribinker, von
diesem Anblick außer sich selbst gesetzt, was für einen glänzenden Hof sie
haben! Lassen sie den kleinen Grigri immer eine Hummel bleiben, Madame, und
halten sie sich an diese hier; es müsste unglücklich sein, wenn unter allen
diesen Liebes-Göttern keiner fähig sein sollte, ihnen einen Gnomen zu ersetzen,
der ihrem eigenen Geständnis nach keinen andern Vorzug vor seinen missgeschaffnen
Gesellen hatte, als dass er auf eine kurzweiligere Art ungestalt war. Sie sehen
wenigstens, versetzte Cristalline, dass es mir nicht an Gesellschaft fehlt, die
mich wegen ihrer Unbeständigkeit trösten kann, wenn es mir jemals einfallen
sollte, dass ich getröstet sein wollte.
    Mit diesen Worten wünschte sie ihm eine glückliche Reise, und Biribinker
trabte auf seinem hölzernen Maultier davon, indem er allem demjenigen
nachdachte, was ihm in diesem wundervollen Schloss begegnet war.
 
                                Zweites Kapitel
               Fortsetzung der Geschichte des Prinzen Biribinker
Ich will ihnen, fuhr Don Gabriel in seiner Erzählung fort, die manchfaltigen
Betrachtungen erlassen, welche Biribinker unterwegs mit sich selbst anstellte,
um ihnen zu sagen, dass er gegen Mittag, da die Hitze unerträglich zu werden
anfing, an dem Eingang eines Waldes abstieg, und sich an den Rand eines kleinen
Bachs setzte, der von Bäumen und Gebüschen umschattet war. Nicht lange so
erblickte er eine Schäferin, die eine kleine Herde rosenfarber Ziegen vor sich
her trieb, um sie an dem Bache zu tränken, wo Biribinker im Schatten lag.
    Denken sie, Don Sylvio, wie groß seine Entzückung sein musste, als er in
dieser jungen Hirtin sein geliebtes Milchmädchen erkannte! Sie kam ihm noch
zehenmal schöner vor, als da er sie das erstemal gesehen hatte; aber was ihn am
meisten erfreute, war, dass sie an statt vor ihm zu fliehen immer näher herbei
kam, und sich endlich, (wie es schien) ohne ihn zu bemerken, nicht weit von ihm
ins Gras setzte. Der Prinz unterstund sich nicht sie anzureden, aber er sah sie
mit so durchdringenden feurigen Blicken an, dass die Steine im Bache bei nahe
davon in Glas verwandelt worden wären. Die schöne Schäferin, welche sehr kalter
Natur sein musste, um von
