, eine gute Weile voller Erstaunen betrachtet hatte, erblickte er
eine Türe, durch die er in verschiedene andere Zimmer kam, wovon immer eines das
andere an Pracht der Auszierung überglänzte. Er besah alles Stück vor Stück, und
wusste nicht mehr, was er davon denken sollte. Die Zugänge zu diesem Palast
hatten ihm ein zerstörtes Schloss angekündiget; das Inwendige schien keinen
Zweifel übrig zu lassen, dass es bewohnt sei; und doch sah und hörte er keine
lebendige Seele. Er durchging alle diese Zimmer noch einmal, er suchte überall,
und entdeckte endlich in dem letzten noch eine kleine Türe in den Tapeten. Er
öffnete sie, und befand sich in einem Kabinet, worin die Feerei sich selbst
übertroffen hatte. Ein angenehmes Gemisch von Licht und Schatten erheiterte es,
ohne dass man die Quelle dieser zauberischen Dämmerung entdecken konnte. Die
Wände von poliertem schwarzem Granit stellten, wie eben so viele Spiegel,
verschiedene Szenen von der Geschichte des Adonis und der Venus mit einer
Lebhaftigkeit vor, die der Natur gleich kam, ohne dass man erraten konnte, durch
was für eine Kunst diese lebende Bilder sich dem Stein einverleibet hatten.
Liebliche Gerüche wie von Frühlingswinden aus frisch aufblühenden Blumenstöcken
herbei geweht, erfüllten das ganze Gemach, ohne dass man sah, woher sie kamen,
und eine stille Harmonie, wie von einem Konzert, das aus tiefer Ferne gehört
wird, umschlich eben so unsichtbar das bezauberte Ohr, und schmelzte das Herz in
zärtliche Sehnsucht. Ein wollüstiges Ruhebett, von welchem ein marmorner
Liebes-Gott, der zu atmen schien, den wallenden Vorhang halb hinweg zog, war das
einzige Geräte in diesem anmutsvollen Ort, und erweckte in dem Herzen unsers
Prinzen ein gehemmisvolles Verlangen nach etwas, wovon er, so neu als er noch
war, nur dunkle Begriffe hatte, ob ihm gleich die Tapeten, die er sehr
aufmerksam und nicht ohne eine süße Unruhe betrachtete, einiges Licht zu geben
anfingen. In diesen Augenblicken stellte sich ihm das Bild des schönen
Milchmädchens mit einer neuen Lebhaftigkeit dar, und nachdem er eine Menge
vergeblicher Klagen über ihren Verlust angestimmt hatte, fing er von neuem an zu
suchen, bis er es müde wurde. Weil er nun diesesmal nicht glücklicher war als
vorher, so begab er sich wieder in das Kabinet mit dem Ruhebette, zog seine
Kleider aus, und war im Begriff sich niederzulegen, als eines der
unvermeidlichsten Bedürfnisse der menschlichen Natur ihn nötigte, sich unter dem
Bette umzusehen. Er fand wirklich ein Gefäß von Crystall, an welchem noch
Merkmale zu sehen waren, dass es vor Zeiten zu einem solchen Gebrauch gedient
hatte. Der Prinz fing schon an es mit Pomeranzen-Blüt- Wasser zu begiessen, als
er, o Wunder, das crystallene Gefäß verschwinden
