 so behielt er doch zuletzt die Oberhand,
und Laura bekam einen Wink, ihm, (wiewohl nur in ihrem eigenen Namen) zu
verstehen zu geben, dass ihre Dame sichtbar sei.
    Wir hätten hier einen schönen Anlass unsere Geschicklichkeit so wohl in
Gemälden, die eine gewisse Delicatesse des Pinsels erfordern, als in
Zergliederung der Empfindungen und Entwicklung der zartesten Treibfedern des
menschlichen Herzens zu zeigen, wenn wir uns in eine Beschreibung alles dessen
einlassen wollten, was bei diesem Besuch, wobei Hyacinthe und Laura gegenwärtig
waren, vorgegangen. Allein da unsere Eitelkeit durch die Proben, die wir unsern
Leser bereits hievon gegeben zu haben glauben, schon hinlänglich befriediget
ist, so werden sie erlauben, dass wir, ohne unsre Bequemlichkeit ihrem Vergnügen
aufzuopfern, uns für diesmal begnügen, ihnen zu sagen, dass die schöne Felicia
ihre Absichten vollkommen erreicht habe, oder, wenn dieser Ausdruck zu
unbestimmt scheinen möchte, dass alle die phantastischen Entzückungen, worein die
Feen und die Liebe eines schimärischen Gegenstandes unsern Helden von Zeit zu
Zeit gesetzt hatten, sich gegen diejenige, die er bei dieser Gelegenheit erfuhr,
gerade so verhielten, wie ein Schmetterling gegen eine reizende Witwe von
achtzehen Jahren.
    Wenn Donna Felicia bei ihrer Toilette Anlass gehabt hatte unserm Helden ihre
materielle Schönheit in dem mannigfaltesten und vorteilhaftesten Lichte zu
zeigen, so unterließ sie nicht über der Tafel seine Bezauberung durch die
intellectualischen Reizungen ihres Geistes, die unter dem Flor der sichtbaren
Schönheit so verführerisch sind, auf den höchsten Grad zu treiben. Die
Nachmittags-Hitze war dieses mal so erträglich, dass man über dem Vergnügen einer
aufgeweckten Konversation die gewöhnliche Sieste vergaß, und Don Sylvio, der
lauter Aug, Ohr und Seele für seine Göttin war, würde so gar das Märchen
vergessen haben, womit Don Gabriel die Gesellschaft zu regalieren versprochen
hatte, wenn er, bei einem Spaziergang, den man des Abends in dem
Myrten-Wäldchen machte, nicht von Hyacinten daran erinnert worden wäre. Weil
die Absicht dabei war eine Probe zu machen, wie weit das Vorurteil und die
Einbildung bei unserm Helden gehe, so hatte Don Gabriel die übrigen schon
vorbereitet, von seinem Märchen den höchsten Grad des Abenteuerlichen und
Ungereimten zu erwarten. Allein dieses machte sie nur desto begieriger zu sehen,
wie er sich aus der Sache ziehen würde. Hyacinthe hatte also kaum des Prinzen
Biribinker erwähnt, so vereinigte sich die ganze Gesellschaft ihm anzuliegen,
dass er ihre Ungeduld nach der versprochenen Geschichte befriedigen möchte, und
Don Sylvio selbst erwachte, so bald er hörte, dass von einem Feen-Märchen die
Rede war, aus der süßen Träumerei, worein ihn die schöne Donna Felicia schon
eine geraume Weile gesetzt hatte; so groß ist die Macht der Gewohnheit, und so
wenig kann der vollkommenste
